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DER WESERBERGLANDWEG – EIN REISETAGEBUCH TEIL 1

Franziska Ullmann rettete ihre Hündin Rosa 2015 aus einem spanischen Tierheim. Seitdem sind die beiden unzertrennlich – Rosa begleitete Franziska die letzten Jahre in ihrem Arbeitsalltag als Ergotherapeutin. In ihrer Freizeit sind die beiden aktiv und draußen anzutreffen: Ob Canicross, Dogscooter oder Dogtrekking – über ihre Abenteuer berichten die beiden Sportskanonen auch in ihrem Blog. Gemeinsam wanderten sie zwischen April 2017 und März 2018 die ca. 230 km des Weserbergland-Weges.


14,9 KILOMETER, 2:46 STUNDEN – ETAPPE 1 HANNOVERSCH MÜNDEN – VECKERHAGEN
29. April 2017: Vier Hunde und vier Menschen – gemeinsam treten wir die erste Etappe des Weserbergland-Weges an. Laut der Website, die der Weserbergland Tourismus e. V. für den Weserbergland-Weg erstellt hat, steht uns mit 13,9 Kilometern ein einfacher Einstieg bevor. Auch das Wetter ist uns gnädig: Bei einem freundlich-wolkigen Himmel begrüßt uns die Fachwerkstadt Hannoversch Münden, wo wir unsere Tour starten. Hier „küssen sich“ Fulda und Werra. Aus diesen Flüssen entsteht die Weser, Namensgeberin des Weserberglandes. Nach einem kurzen Besuch des Wesersteins, der den Ursprung der Weser markiert, finden wir schnell den Startpunkt des Wanderweges. Wir überqueren die Fulda auf einer kleinen Brücke in Richtung Reinhardswald und … verlaufen uns. Zwar führt uns unsere Individual-Route auch zum Weserbergland-Weg, wir lassen jedoch eines der Highlights der Etappe aus: den Aussichtsturm auf der Schanze.

Fazit: Aus Fehlern lernt man. Ich nehme mir fest vor, die genaue Route der nächsten Etappe im Voraus zu studieren. Und mit mehr Zeit Hannoversch Münden anzusehen und zur Tilly-Schanze zu wandern.


15 KILOMETER, 3:00 STUNDEN – ETAPPE 2 VECKERHAGEN – SABABURG
5. Mai 2017: Zwei Menschen und drei Hunde bilden das Team für die zweite Etappe, die wir bereits eine knappe Woche nach Bewältigung der ersten Etappe in Angriff nehmen. 12,7 Kilometer liegen zwischen Veckerhagen und der märchenhaften Sababurg. Der Weserbergland-Weg verläuft ab Veckerhagen am Rande des Reinhardswaldes entlang und bietet mit den dunkelgrünen Nadelbäumen und den hellgrünen Weideflächen einen tollen Kontrast. Der Weg ist deutlich abwechslungsreicher als die erste Etappe: Zwei oder drei Bachüberquerungen sorgen für kleine Abenteuer, auch wenn die Gefahr gering ist, nasse Füße zu bekommen. Kurz vor Ende der Etappe lässt sich die Sababurg blicken – die Burg, in der Dornröschen einst in ihren hundertjährigen Schlaf gefallen sein soll. Von hier starten wir nach einer kurzen Pause direkt zur 3. Etappe.

Fazit: Etappe 2 hat uns deutlich besser gefallen als Etappe 1. Sie bot mehr Weitblick und war deutlich abwechslungsreicher. Die Ankunft an der Sababurg war ein gelungener Abschluss des Streckenabschnittes.


19,5 KILOMETER, 4:15 STUNDEN –ETAPPE 3 SABABURG – BAD KARLSHAFEN
5. Mai 2017: Wir halten uns nicht länger am Dornröschenschloss auf, obwohl es in der näheren Umgebung einen Urwald mit Baumriesen gibt und den Tierpark Sababurg. Der bisher aufregendste Teil des Weserbergland-Weges folgt bei Durchquerung des St. Georgengrundes. Wir haben viel Spaß dabei, einen kleinen Bach mehrfach zu kreuzen, können uns jedoch auch gut vorstellen, wie rutschig und nass es dort nach heftigen Regengüssen sein muss. Die restliche Strecke führt weiter durch den Wald und besticht durch viel Abwechslung. Obwohl wir schon lange unterwegs sind, wird es nicht langweilig.

Fazit: Es ist eine wundervolle dritte Etappe, bei der mir lediglich bessere Wanderschuhe gefehlt haben. Wir haben uns gut zurechtgefunden und ernennen diese Etappe zu unserem bisherigen Streckensieger.


12,8 KILOMETER, 3:01 STUNDEN – ETAPPE 4 BAD KARLSHAFEN – SCHÖNHAGEN
10. Juni 2017: Nach einer Pause von über einem Monat starten wir im Juni endlich zur 4. Etappe. Nachdem wir Bad Karlshafen als Ziel von Etappe 3 nur im Dunkeln gesehen hatten, können wir die weiße Barockstadt nun bei Tageslicht betrachten. Leider übersehen wir das Schild, welches uns zum Weser-Skywalk geführt hätte, einer Aussichtsplattform mit Blick über Bad Karlshafen und die Weser. Aber was die Beschilderung angeht, ist der Weserbergland-Weg ohnehin einzigartig. Oder eigenartig? Zumindest sehr speziell. Der nächste Stopp lautet „Lug ins Land“, danach geht es Richtung Hutewald. Dort sind Hunde nicht erlaubt. Verständlich: Im Hutewald werden auf 220 ha Auerochsen und Exmoor-Ponys gehalten, die für die Pflege der Fläche zuständig sind und damit zum Schutz der Artenvielfalt beitragen. Zum eigenen Schutz und dem der Hunde gibt es eine Alternativstrecke, die von Bad Karlshafen problemlos zu finden ist. Als wir den Hutewald hinter uns lassen, wird die Strecke abwechslungsreicher. Zunächst kommen wir am 1971 angelegten Carolinenteich vorbei und erreichen wenig später Nienover, die älteste Stadt des Sollings. Drei Stunden nach Tourstart erreichen wir schließlich Schönhagen.

Fazit: Dieses Teilstück des Weges enttäuscht mich und mir fehlen die Highlights. Vielleicht hätte ja der Weser-Skywalk etwas daran geändert? Wir verbuchen es unter dem Punkt „Fauxpas“, dass wir diesen Aussichtspunkt übersehen haben.


14,6 KILOMETER, 4:04 STUNDEN – ETAPPE 5 SCHÖNHAGEN – SILBERBORN
10. Juni 2017: Nach einer ausgedehnten Pause wandern wir mit einem wunderschönen Weitblick über Schönhagen und die angrenzenden Felder und Wälder direkt weiter. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir den ErlebnisWald, in dem es auch ein Baumhaushotel gibt. Entlang der Ahle führt der Weg dann durch das Ahletal. Eigentlich ist dies eine sehr schöne Strecke, nur führt sie ein ganzes Stück entlang der Bundesstraße 497, auf der die Autos an uns vorbeirasen. Zum Glück ist dieser Teil nur kurz und spätestens ab dem WildparkHaus in Neuhaus wird die Etappe wieder idyllischer. Das nächste Etappenziel ist der Hochsolling-Turm, welcher die Tour zu einem besonderen Erlebnis macht: 33 Meter steigen wir die Stufen empor und genießen die Aussicht über die Wälder des Hochsollings. Glücklich und zufrieden erreichen wir schließlich Silberborn.

Fazit: Etappe 5 lässt die Enttäuschung der vorherigen Etappe schnell in Vergessenheit geraten. Der Weg ist abwechslungsreich und mit dem ErlebnisWald und dem Hochsolling-Turm gibt es markante Highlights.


24,0 KILOMETER, 5:19 STUNDEN – ETAPPE 6 SILBERBORN – STADTOLDENDORF
21. Juni 2017: Die 6. Etappe ist die zweitlängste des Weserbergland-Weges. Wir starten in Silberborn und wandern bis zum Naturschutzgebiet Mecklenbruch. Das Hochmoor ist wunderschön und von einem Aussichtsturm hat man einen grandiosen Blick über Grün, Torfflächen und einige Teiche. Auf der anderen Seite des Schutzgebietes geht es an Rindern und Exmoor-Ponys vorbei, die wir auf Etappe 4 im Hutewald nicht sehen konnten. Es ist heiß an diesem Tag und die Wege liegen meist in der prallen Sonne – umso mehr freuen wir und die Hunde uns über eine Erfrischung in der Helle. Weiter geht es bergauf, aus dem Tal hinaus. Wir erreichen Merxhausen, dann folgen wir den Wegen entlang der reifenden Felder. Nach dem letzten anstrengenden Anstieg werden wir mit einem grandiosen Panorama belohnt. Grün, Grün und noch mehr Grün ist das Landschaftsbild vor Stadtoldendorf, das wir im Sonnenuntergang erreichen.

Fazit: Bisher eine der schönsten Etappen! Trotz der heißen Temperaturen bereue ich keinen einzigen Schritt, den ich auf diesem Abschnitt des Weserbergland-Weges gegangen bin. Facettenreicher kann es kaum sein – Erholung pur!


18,3 KILOMETER, 4:15 STUNDEN – ETAPPE 7 STADTOLDENDORF – BODENWERDER
9. August 2017: Im August starten wir wieder durch. Wir starten die Tour direkt nach der Arbeit in Stadtoldendorf. Bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen geht es durch die Felder, an einem Bächlein vorbei durch einen Wald bis zum Kloster Amelungsborn, das wir kurz besichtigen. Unterwegs zum nächsten Zwischenziel, Holenberg, müssen wir an einer recht stark befahrenen Straße entlang, doch die Idylle der goldenen Felder am Fuße des Bützeberges lässt sie uns schnell vergessen. Ab dem nächsten Waldstück beginnt der Aufstieg zum höchsten Gipfel, dem Ebersnacken (460,4 m ü. NN). Hier genießen wir den 360°-Ausblick und machen uns weiter auf den Weg zum Bodoturm. Dieser ist zwar sechs Meter kleiner als der Ebersnackenturm, gewährt einem jedoch einen Ausblick auf das Etappenziel Bodenwerder. Und noch ein drittes Highlight hat diese Etappe zu bieten, welches wir nach einem Marsch durch den Wald und vorbei an blühender Heide erreichen: die Königszinne. Sie bildet den perfekten Abschluss dieser Wanderung.

Fazit: Hier passt alles: abwechslungsreiche Umgebung (Stadt, Land, Dorf, Wald) gepaart mit schönen Weitblicken und markanten Highlights (Ebersnacken-, Bodoturm und Königszinne).