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SO KOMMEN SIE GUT DURCH DEN FAHRRAD-SOMMER

Die Region Hannover bietet eine tolle Vielfalt an Fahrradrouten. Wir geben ­Ihnen Tipps für die Planung Ihrer Ausflüge. Außerdem haben wir weitere Infos für Sie zusammengestellt, beispielsweise zu Pedelecs und Lastenrädern.

Touren-Tipps

Optimale Orientierung
Für die Planung einer Radtour und die Orientierung unterwegs gibt es ­unterschiedliche Hilfsmittel. Ideal ist die Kombination aus einer Papierkarte mit großem Maßstab für den Überblick und einer GPS-Unter­stützung per Smartphone-App oder Navigationsgerät für die Details. Ergänzt durch Wegweiser vor Ort kann dann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Alternativstrategie: einfach losfahren …!

Radtouren und -routen
In der Region Hannover gibt es eine Vielzahl ausgearbeiteter Radtouren und beschilderter Fahrradrouten. Ob „Grüner Ring“, „Steinhuder Meer Rundweg“, „Deisterkreisel“ oder die kürzlich neu hinzugekommene „Mittellandkanalroute“: für Abwechslung ist gesorgt. Einen um­fassenden Überblick können Sie sich auf dem Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover verschaffen. Auch auf dem GeoLife-Freizeitportal des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) finden Sie Tourenvorschläge. Die Infos können Sie dort in verschiedenen Dateiformaten herunterladen – zum Ausdrucken oder Überspielen aufs Navi beziehungsweise Smartphone.
www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/­Mobilität/Radfahren-Hannover-sattelt-auf
www.geolife.de

Geführte Touren
Wenn Sie gerne in Gesellschaft unterwegs sind, können Sie bei verschiedenen Anbietern an geführten Radtouren teilnehmen. Unter dem Motto „Auf die Räder“ bietet die Hannover Marketing & Tourismus GmbH von April bis Oktober an jedem ersten und letzten Samstag im Monat eine Fahrrad-Stadtrundfahrt an. Spezielle Angebote für Gruppen hat „Hannovers FahrradScout“ Uwe Genzky. Ein umfang­reiches Programm an geführten Fahrradtouren organisieren die Ortsgruppen des ADFC.
www.hannover.de/tourismus
www.hannovers-fahrradscout.de
www.adfc-hannover.de/termine

Radmitnahme im GVH
Bei Ausflügen oder auf dem Arbeitsweg bietet es sich an, Teilstrecken mit dem öffentlichen Nahverkehr zu absolvieren. So können Sie Ihren Aktionsradius erweitern, einzelne Streckenabschnitte überbrücken oder schlechtem Wetter entkommen. Ihr Fahrrad können Sie im GVH in allen Bussen und Bahnen mitnehmen. An Wochenenden und Feiertagen ist die Mitnahme ohne Aufpreis möglich. Zu vielen Zeiten gilt das auch wochentags, vor 19 Uhr ist die Radmitnahme allerdings je nach Verkehrsunternehmen und Uhrzeit entweder gar nicht oder nur gegen Aufpreis möglich. Einzelheiten zu den Regelungen finden Sie auf der GVH-Webseite.
www.gvh.de/service/rad-auto-­carsharing/fahrradmitnahme/

Hotspots und Stoßzeiten meiden
An sonnigen Sommerwochenenden sind beliebte Ziele ab dem späten Vormittag schnell überlaufen. Auch freie Fahrradstellplätze in Bussen und Bahnen sind an solchen Tagen schwer zu ergattern. Legen Sie Ihre Radtour daher nach Möglichkeit außerhalb der Stoßzeiten und erkunden Sie interessante Strecken fernab der touristischen „Hotspots“.

Pedelec und Lastenrad ausprobieren

Sie interessieren sich für Pedelecs und/oder Lastenräder und möchten diese einmal in Ruhe ausprobieren? Hier haben Sie die Möglichkeit, sich ein Pedelec oder Lastenrad auszuleihen:

PedsBlitz Hannover
Das Pedelec-Verleih-System „PedsBlitz Hannover“ wird als Projekt von der Landeshauptstadt Hannover getragen und läuft bis mindestens Ende August 2018. An neun Ausgabestationen können Sie über 70 Pedelecs ausleihen. Die Leihgebühr beträgt 17,50 Euro pro Tag, bei den Lasten-Pedelecs ist das Ausleihen sogar kostenfrei.
www.pedsblitz.de

hannah! Lastenräder für Hannover
Bei „hannah!“ können Sie an verschiedenen, zum Teil monatlich wechselnden Standorten in der Region Lastenräder kostenfrei ausleihen. Im Bestand sind sowohl normale Lastenräder als auch Lasten-Pedelecs.
www.hannah-lastenrad.de

Gut zu wissen

Was ist ein Pedelec?
Als Pedelec oder E-Bike wird ein Fahrrad be­zeichnet, bei dem sich der Elektroantrieb unterstützend beim Treten zuschaltet. Das Pedelec wird rechtlich wie ein normales Fahrrad behandelt, wenn der Motor maximal 250 Watt leistet und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt.

Muss mein Rad einen ­Dynamo haben?
Seit Mitte 2017 gibt es keine Dynamopflicht mehr, es sind auch Batterie- und Akkuleuchten erlaubt. Es sind aber weiterhin nur Komponenten zugelassen, die das Prüfzeichen vom Kraftfahrt-Bundesamt tragen (Wellenlinie, Groß­buchstabe „K“ und Nummer).

Sind alle Radwege ­benutzungspflichtig?
Nein, es gibt keine allgemeine Radwege-Benutzungspflicht. Nur Radwege, die mit den Zeichen 237 (Radweg), 240 (Gemeinsamer Geh- und Radweg) oder 241 (Getrennter Rad- und Gehweg) gekennzeichnet sind, sind grundsätzlich benutzungspflichtig.

Was ist das für ein ­Gestell an der Ampel?
In Hannovers City sind an einigen Ampelkreuzungen sogenannte „Fußabsetzer“ installiert worden. Sie erleichtern Radfahrern den Ampelstopp und das Anfahren durch die Möglichkeit, den Fuß abzustellen und sich festzuhalten.

Warum steht da ein weißes Fahrrad?
Die „Ghost Bike“ genannten weiß gestrichenen Räder werden von Fahrradaktivisten überall dort aufgestellt, wo Radfahrer im Straßenverkehr tödlich verunglückt sind. Sie sind Mahnmal und Gefahrenhinweis zugleich.

Was bedeuten die blauen Markierungen?
An vielen Fahrradstrecken in und um Hannover sind blau gestrichene Objekte wie Zäune, Pfähle, Laternen usw. zu sehen. Sie markieren den Verlauf des „Grünen Rings“, einem Rad- und Wanderweg in der Region Hannover.

Ansichtssache – Grundsatzfragen und strittige Themen

Bei der technischen Ausstattung des Rades, dem nötigen Zubehör oder den eigenen Vorlieben sind auch Radfahrer nicht immer einer Meinung. In fahrradspezifischen Internetforen bricht zu manchen Fragestellungen regelmäßig Streit aus und auch auf gemeinsamen Ausflügen werden einige Themen heiß diskutiert.

Radweg oder Fahrbahn?
Am sichersten fahren Radfahrer grundsätzlich immer dann, wenn sie sich im unmittelbaren Sichtfeld anderer Verkehrsteilnehmer bewegen, gefährliche Situationen entstehen vor allem ­bei getrennter Wegeführung der Radfahrer, zum Beispiel beim Rechtsabbiegen von Kraftfahrzeugen. Dennoch fühlen sich viele Radfahrer auf einem separaten Radweg am wohlsten.

Helm oder kein Helm?
Die Frage, ob Radfahrer einen Helm tragen sollten, führt regelmäßig zu erbitterten Kontroversen. Dass Helme eine Schutzwirkung haben, ist bei Helmkritikern in der Regel unbestritten, sie sehen jedoch auch Nachteile. Ein Argument ist beispielsweise die „Risikokompensation“, wonach sich Helmträger insgesamt riskanter verhalten. Die Helmbefürworter wiederum teilen sich in zwei Gruppen: die einen sind für, die anderen gegen eine Helmpflicht. In Hannover haben sich 2011 die Landeshauptstadt, die Region, die Polizei und die Hannoversche Allgemeine Zeitung zusammengeschlossen, um den „HannoverHelm“ als Ver-kehrssicherheits­aktion aufzulegen. Die letzte Neuauflage erfolgte 2016, Restbestände sind für 44,95 Euro pro Stück bei verschiedenen Fahrradhändlern erhältlich.

Radlerdress oder ­Alltagskleidung?
Bei der Frage nach der passenden Bekleidung verlaufen die Diskussionen eher gemäßigt, hier geht es mehr um persönliche Vorlieben als um Grundsatzfragen: Handschuhe oder bloße Hände? Polsterhose oder normale Unterwäsche? Klickpedale und -schuhe oder normales Schuhwerk?

Welche Reiseausrüstung?
Weitere Fragen stellen sich spätestens bei längeren Touren und Radreisen: Zelt oder Pension? Campingkocher oder Restaurant? Packtaschen, Rucksack oder Anhänger? Navi oder Karte? Smartphone oder extra Navigationsgerät?

Welche Ausstattungs­variante?
Über viele Ausstattungsdetails lässt sich trefflich streiten: Kettenschaltung, Nabenschaltung oder Tretlagergetriebe? Oder lieber ein „Singlespeed“ ohne Gangschaltung? Alu-, Stahl- oder Carbonrahmen? Aufrechtrad oder Liegerad? Eventuell auch ein Trike? 28 Zoll, 27,5 Zoll oder 26 Zoll Laufräder? Oder ein Faltrad mit 24/20/18/16 Zoll? Scheibenbremse oder Felgenbremse? Oder doch lieber Rücktritt, Trommelbremse, Rollenbremse? Ledersattel oder Kunststoffsattel? Kette oder Zahnriemen? Lastenrad oder Anhänger?

Dynamo oder ­­­Akku/Batterie?
Am Alltagsrad hat sich der komfortable Nabendynamo bewährt, doch Akkuleuchten sind eine interessante Alternative und inzwischen auch grundsätzlich erlaubt.

Muskelkraft oder ­elektrisch?
Für manche Fahrrad-Puristen sind Pedelecs bloß ein Spielzeug für Bewegungsmuffel mit zu viel Kleingeld. Andere sehen in Pedelecs die nachhaltige Lösung aller städtischen Verkehrsprobleme. Fakt ist: Fahrräder mit elek­trischer Unterstützung haben die Nische verlassen und sind auch in Hannover stark im Kommen.

Kauf oder Leasing?
Bei Fahrrädern oder Pedelecs, die für den Weg zur Arbeit genutzt werden, ist es mitunter sinnvoll, sich ein Dienstfahrrad zu leasen. Auch in Hannover bieten einige Händler ein Dienstfahrrad-Leasing in Zusammenarbeit mit Partnerfirmen an.

Buchtipp

In dem humorvollen Ratgeber „How to survive als Radfahrer“ von Juliane Schumacher dreht sich alles ums Radfahren in der Stadt. Die Autorin lebt zwar in Berlin, die beschriebenen Situationen, Alltagserfahrungen und Tipps lassen sich aber ohne Weiteres auch auf Hannover übertragen.

Juliane Schumacher: How to survive als ­Radfahrer,
264 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-86265-640-0

Text und Fotos: Bernd Sauer