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DER SCHNELLSTE SPORT AUF ZWEI BEINEN

Dynamik, Schnelligkeit, Teamfähigkeit, taktische Strategie und sichere Technik – Lacrosse fordert seinen Spielerinnen und Spielern vielfältige Talente ab und fasziniert die Zuschauer durch ein rasantes und spannendes Spiel.

„Ich bin zum Lacrosse gekommen als ich 2011 zufällig die U19 Lacrosse WM gesehen habe. Die fand auf dem Gelände um das Sportleistungszentrum am Maschsee statt, wo ich bis dahin Leichtathletik Sprint trainierte. Damals fand ich Lacrosse schon wegen seiner Mischung aus Schnelligkeit, Hand-Ball-Koordination und Kommunikation faszinierend. Es gibt wahrscheinlich wenige Mannschaftssportarten, in denen durchgehend so viel kommuniziert wird: „Ball down“, „Ich bin deine Hilfe rechts“, „Du kannst gehen“ – das kann manchmal richtig laut werden auf dem Spielfeld“, beschreibt Alena Roth ihre Faszination für Lacrosse. Die 27-jährige Medizinstudentin spielt inzwischen in der deutschen Nationalmannschaft. Auf den ersten Blick fühlt man sich bei Lacrosse an eine Mischung aus Basketball, Football, Handball und Hockey erinnert, von denen Lacrosse einige Elemente vereint. Die in Deutschland noch recht junge Sportart hat eine jahrhundertelange Tradition. Im 15. Jahrhundert wurde die Urform des Lacrosse von nordamerikanischen Indianerstämmen genutzt, um ihre Krieger in Fitness, Teamfähigkeit und Kampfgeist zu trainieren, aber auch um Stammesfehden auszukämpfen. Teilweise standen bis zu 100 Kämpfer auf riesigen Spielfeldern und nicht selten endeten diese Kämpfe tödlich. Die Ureinwohner nannten es Baggataway – den kleinen Bruder des Krieges. Heute geht es weit weniger martialisch zu, aber Lacrosse gilt neben Eishockey noch immer als Nationalsport in Kanada. Tradition verpflichtet eben.

Der Name Lacrosse geht auf das auffällige Spielgerät zurück: der Stick – der Schläger – mit seinem charakteristischen Netz, der „Pocket“ aus Lederbändern und Nylonfäden am Ende, mit dem die Spielerinnen und Spieler den Ball passen, fangen, tragen oder schießen können. Je nach Position der Spieler – Angreifer, Mittelfeldspieler oder Torwart – unterscheidet sich die Knüpfung der Pocket. Ein französischer Jesuitenmissionar fühlte sich im 16. Jahrhundert von diesem Schläger an eine Bischofsmütze (frz. la crosier) erinnert und prägte damit den heutigen Namen. Der Schläger, heute prägnantestes Spielelement, war gleichzeitig auch der Grund dafür, dass die Sportart nach dem zweiten Weltkrieg beinahe verschwunden wäre – nur noch wenige Sportler zeigten daran Interesse. Lacrosse galt als „Sport der Elite“ und nur Wenige hatten Zugang zu Vereinen und Sportstätten. Außerdem waren nur noch wenige Ureinwohner in der Herstellung der Holzschläger geübt. Das änderte sich mit der Einführung des Kunststoffschlägers. Heute bestehen die Schläger meist aus Plastikköpfen und Aluminium-/Carbonschäften und werden ähnlich wie Tennisschläger stetig optimiert, um ihn noch leichter zu machen.

Gebissschutz, Schutzbrille und Handschuhe gehören zur Schutzausrüstung der Damen.

War Lacrosse zuerst eine reine Männersportart, verbreitete es sich ab 1890 von der schottischen Klosterschule St. Leonards im heutigen Europa aus auch als Damenmannschaftssport. 1904 und 1908 war Lacrosse sogar olympische Disziplin und damit den meisten Ballsportarten voraus. Ab 1930 veränderten sich die Regeln für Damen- und Herrenmannschaften enorm. Heute gibt es nur noch wenige Gemeinsamkeiten. Die Lacrosse-Damenmannschaften spielen sehr eng an traditionelle Regeln angelehnt. Jede Mannschaft hat 12 Spielerinnen auf dem Feld. Schläger- und Körperkontakt sind streng limitiert: Um den Ball aus dem Netz einer Gegnerin zu befreien, darf man zwar auf den Stick schlagen, den Körper jedoch nicht treffen – deshalb gibt es außer einem Gebissschutz und wahlweise Handschuhen und Schutzbrillen keine weitere Schutzausrüstung. „Beim Lacrosse ist jede Spielerin und Statur wichtig, egal, ob groß und kräftig oder klein und wuselig: Es gibt für jeden die geeignete Position. Die einzige Erfordernis ist, Begeisterung und Leidenschaft fürs Spiel mitzubringen“, erklärt Alena Roth die körperlichen Voraussetzungen für das Spiel.

Bei den Lacrosse-Herren geht es deutlich körperbetonter zu – ihr Spiel ist auf Zweikämpfe ausgelegt. Daher tragen die Herren Helme, Rippen- und Schulterschutz sowie Handschuhe. Es befinden sich lediglich 10 Spieler inkl. Torwart auf dem Platz. Gespielt werden Damen- und Herren-Lacrosse auf einem fußballfeldgroßen Rasen- oder Kunstrasenplatz auf zwei in das Feld eingerückte Tore. Der Ball darf während des Spiels beliebig lange getragen werden; Vorschriften, wann er gepasst werden muss, gibt es nicht. Sobald die Gegenmannschaft den Ball erobert hat, wechselt auch der Angriff.

Ab 1993 wurde Lacrosse auch in Deutschland zunehmend zur Trendsportart. Zwei Austauschschüler hatten die Begeisterung aus den USA nach Berlin und München mitgebracht. Mittlerweile zählen über 53 Vereine zum Deutschen Lacrosse Verband e. V. Seit 1994 nimmt die deutsche Lacrosse-Nationalmannschaft auch an internationalen Wettbewerben wie Welt- und Europameisterschaften teil. Anfangs waren die anderen Nationen den Deutschen spieltechnisch überlegen, doch mittlerweile wurden erste Erfolge erzielt. Bei den Europameisterschaften 2019 in Israel erhoffen sich die Damen eine Platzierung unter den Top 5.

Die Nationalmannschaft macht sich warm: 2019 werden die Europameisterschaften in Israel ausgetragen.

Seit Juli 2009 gehört die Sparte „Lacrosse“ zum sportlichen Angebot des DHC Hannover. Erfolgreichste Mannschaft ist das Bundesliga-Damenteam. Die Mannschaft wurde 2016 zum fünften Mal in Folge Deutscher Lacrossemeister. 2017 siegte die Münchener Damenmannschaft und verwies die Hannoveraner auf den zweiten Rang. Damit gilt es 2018, den Titel zurückzuerobern! Stark ist der DHC auch bei den jeweiligen National-Teams vertreten. Sieben Spielerinnen aus Hannover waren bei der WM 2017 in London dabei. „Wir Hannover Lacrosse Damen engagieren uns stark für den Ausbau der Strukturen. Dabei sind wir aber nicht nur auf Unterstützung finanzieller Art, sondern auch auf die Unterstützung von Verbänden und Organisationen angewiesen. Und natürlich freuen wir uns über Zuschauer oder interessierte Newcomer“, lädt Alena Roth alle ein, die nun neugierig geworden sind – auf die neue alte Trendsportart. www.dhc-hannover.de

Info:

Wer Lacrosse live erleben möchte, hat beim Internationalen Lacrosse Damenturnier vom 31.3. bis 2.4. die ideale Gelegenheit. Zuschauer sind herzlich willkommen.

Text: Susanne Bührer
Fotos: Micha Neugebauer