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DER WESERBERGLANDWEG – EIN REISETAGEBUCH TEIL 2

Franziska Ullmann rettete ihre Hündin Rosa 2015 aus einem spanischen Tierheim. Seitdem sind die beiden unzertrennlich – Rosa begleitete Franziska die letzten Jahre in ihrem Arbeitsalltag als Ergotherapeutin. In ihrer Freizeit sind die beiden aktiv und draußen anzutreffen: Ob Canicross, Dogscooter oder Dogtrekking – über ihre Abenteuer berichten die beiden Sportskanonen auch in ihrem Blog. Gemeinsam wanderten sie zwischen April 2017 und März 2018 die ca. 230 km des Weserbergland-Weges.


20,4 KILOMETER, 5:09 STUNDEN – ETAPPE 8 BODENWERDER – LÜNTORF
26. August 2017: Es geht bergauf. Immer weiter bergauf. Erstes Ziel: der Bismarck-Turm. Er überblickt mit seinen 13 Metern Höhe den Ort Bodenwerder und wir genießen den Ausblick bei einer ersten Verschnaufpause. Danach führt uns der Weg an die Weser – eine gern gesehene Bekannte! Die Hunde kühlen sich ab und wir folgen dem Treidelpfad, auf dem früher Zugtiere und Menschen Frachtschiffe flussaufwärts zogen. Nachdem wir die Weser in Bad Karlshafen bei Etappe 4 das erste Mal überquert hatten, wechseln wir in Daspe nun erneut die Weserseite über das „Blaue Wunder“ (Brücke) und gelangen nach Hehlen. Es geht weiter über Wiesen und Felder zur Ottensteiner Hochebene. Der Aufstieg nach der Ortschaft Sievershagen hat es noch einmal richtig in sich. Dann beginnt aber auch schon der Endspurt durch einen wunderschönen Waldabschnitt.

Fazit: Die Highlights dieser Etappe sind sicherlich die abwechslungsreiche Landschaft, der Ausblick vom Bismarck-Turm und die naheliegende Weser.


15,1 KILOMETER, 3:20 STUNDEN – ETAPPE 9 LÜNTORF – EMMERTHAL
11. Oktober 2017: Start der neunten Etappe ist Lüntorf. Die Wege sind allesamt gut passierbar und es geht sanft bergauf und wieder bergab. In Hämelschenburg erleben wir die einzigen wirklichen Highlights der Etappe. Kaum hat man die Eisenbahnschienen und die Emmer überquert, führt einen der Weg zu einer Wassermühle und Rischmade. Bauernhofspielzeug und Krippenfiguren werden hier in der Cleve-Familienmanufaktur hergestellt. Uns begleitet auf diesem Streckenabschnitt leider ziemlich penetrant die L431, die wir in unregelmäßigen Abständen überqueren müssen. Einen schönen Blick haben wir über Emmerthal und Grohnde.

Fazit: Zu wenige Highlights, zu viel Verkehr. So könnte man diese Etappe zusammenfassen. Und doch hat sie uns irgendwie gefallen. Es gab zwar keine Wow-Momente, wie bei manch anderer Etappe, doch die Strecke war sehr waldreich und ließ sich einfach wandern.


20,4 KILOMETER, 4:26 STUNDEN – ETAPPE 10 EMMERTHAL – ROHRSEN
13. Oktober 2017: Nur zwei Tage nach Etappe 8 zieht es uns erneut auf den Weserbergland-Weg. Ausgangspunkt dieser Etappe ist der Bahnhof in Emmerthal. In Hagenohsen ist das erste (anstrengende) Highlight der Etappe schnell erreicht: Zwischen 1934 und 1937 wurde eine Treppe den Bückeberg hinauf gebaut, die zum sogenannten „Reichthingplatz“ führt(e). An diesem Platz versammelten sich über eine Millionen Menschen bei den Reichserntedankfesten. Wir verlassen den Wald nur einmal kurz, um das idyllische Völkerhausen zu passieren. Schnell erreichen wir Voremberg, umgehen den Ort jedoch in einem großen Bogen durch den Wald im Norden. Die tiefstehende Sonne lässt die grünen Felder erstrahlen. Und so erreichen wir entspannt unser Ziel Rohrsen.

Fazit: Viele Highlights, wenig Verkehr. Das Pendant zur Etappe 9, könnte man fast meinen. Der zehnte Teil des Weserbergland-Weges ist es wert, bewandert zu werden und bietet viel Abwechslung!


29,5 KILOMETER, 7:17 STUNDEN – ETAPPE 11 ROHRSEN – ROHDENTAL
04. November 2017: Die längste von 13 Etappen liegt an diesem Samstagmorgen vor uns. Zwischen Rohrsen und Rohdental realisieren wir allmählich, dass unser Abenteuer Weserbergland-Weg bald ein Ende finden wird. 175 Kilometer haben unsere Füße und die Pfoten unserer Hunde bereits zurückgelegt. Ein Erlebnis, welches zusammenschweißt und in uns den Wunsch weckt, neue Ziele zu stecken. Doch an diesem Tag liegen zunächst einmal 27,2 Kilometer vor uns, für die wir 8 Stunden einplanen sollen. Ab Rohrsen geht es direkt bergauf bis auf den Basberg, auf dem sich das Restaurant Forsthaus Heisenküche befindet. Das nächste Teilstück führt durch einen Wald, in dem die Bäume teilweise 200 Jahre alt sind und majestätisch in den Himmel ragen. Der Weserbergland-Weg führt uns ab Unsen durch einen Märchenwald im Süntel. Weiches Moos, aus der Erde herausragende Wurzeln, Sandsteinfelsen und Grenzsteine, welche wie Grabsteine aus der Erde ragen, sorgen kombiniert mit dem Nebel für eine mystische Stimmung. Nach knapp drei Stunden erreichen wir den Süntelturm. Das nächste Highlight – der Hohenstein – lässt nicht lange auf sich warten. Am Hohenstein sind viele Menschen und die Sicht ist aufgrund des Nebels eingeschränkt, deshalb machen wir uns an den nächsten Aufstieg: Ziel sind die Moosköpfe. In dem Waldstück stehen viele Eiben, die vom Aussterben bedroht sind, und außerdem eben die „Moosköpfe“, mit Moos bewachsene Felsen. Unterwegs nach Langenfeld kommen wir an einem Steinbruch und der Schillat-Höhle vorbei, Norddeutschlands größter Tropfsteinhöhle. Dem Höllenbach folgend machen wir einen kleinen Abstecher zur Quelle der Iborn und schon sind wir am Wanderparkplatz Rohdental, wo wir die Etappe beenden.

Fazit: Obwohl sich die Sonne nur sporadisch zeigte, zählen wir Etappe 11 zu unseren liebsten des gesamten bisherigen Weserbergland-Weges. Die gesamte Strecke war sehr stimmig. Anstrengende Passagen wechselten sich mit geraden Wegstrecken ab, mal gab es Wiesen, mal Wälder und mal echte Highlights, die es zu erkunden galt. Der Süntelturm mit der gemütlichen Gastwirtschaft, der Märchenwald im Süntel, der Hohenstein – die 29,5 km, die wir insgesamt wanderten, wurden uns nicht langweilig.


16 KILOMETER, 3:53 STUNDEN – ETAPPE 12 RINTELN – PORTA WESTFALICA
25. November 2017: Diese Etappe ist anders – sie beginnt in Rohdental und endet – im Nirgendwo. Oder irgendwo im Wald. Es gab keinen festen Punkt, an dem man hätte sagen können: „Jawohl, wir haben die Etappe geschafft!“. Bei dieser Etappe, die in Rohdental startet, laufen wir fast ausschließlich durch den Wald, auf dem Kamm des Wesergebirges entlang. Das kann prinzipiell schön sein, empfiehlt sich aber grundsätzlich eher an Tagen, an denen die Sonne schön durch die Bäume scheint. Das erste Highlight stellt die Paschenburg dar. Hier gibt es ein Restaurant und man hat einen schönen Ausblick auf das Weserbergland. Oberhalb von Rinteln endet die 12. Etappe.

Fazit: Die Etappe 12 hat bei besserem Wetter und in entgegengesetzter Richtung eine zweite Chance verdient.


17 KILOMETER, 3:43 STUNDEN – ETAPPE 13 RINTELN – PORTA WESTFALICA
09. März 2018: Es ist soweit: 225 Kilometer Weserbergland-Weg sollen an diesem Tag ihren Abschluss finden. So viele schöne und lustige Stunden hatte uns der XW beschert. Startpunkt ist da, wo wir die letzte Etappe beendet haben: irgendwo im Nirgendwo, genauer gesagt oberhalb von Rinteln. Der Weg verläuft zu Beginn weiterhin auf dem Kamm des Wesergebirges. Ein kurzer Abstecher führt uns zur Hünenburg. Bald darauf verlassen wir Niedersachsen und überschreiten die Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen. Als wir Kleinenbremen hinter uns lassen, setzt die Dämmerung ein. Wir schalten unsere Stirnlampen ein und wandern im Dunklen durch den Wald. Hin und wieder haben wir Fernsicht auf das Weserbergland und die Lichter der Häuser setzen dieses wundervoll in Szene. Mit jedem Schritt nähern wir uns dem Ende des Weges – das wir in Porta Westfalica markiert durch ein Schild finden.

Fazit: Meine Wander-App zeigt mehr Kilometer an als auf der Website des Weserbergland Tourismus e. V. angegeben – nämlich 237,5 statt 225. Dafür waren wir insgesamt deutlich kürzer unterwegs als angegeben. An insgesamt 10 Tagen haben wir zwischen April 2017 und März 2018 den Weserbergland-Weg begangen. Was für ein Abenteuer!