Brokeloh erleben – wenn ein Ausflug Geschichte lebendig macht

07. Juli 2026 / Region

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Vielerorts im nahen und weiteren Umland von Hannover lässt sich ganz hervorragend ein Kurztrip in der Umgebung oder ein Tag fern des Alltags genießen. Allerdings fällt manchmal die Entscheidung, wie diese Auszeit aussehen könnte, gar nicht so leicht. Insbesondere, wenn mehrere Personen zusammen unterwegs sein wollen. Gerade, wenn die einen wandern und in die Natur hinauswollen, den anderen der Sinn nach einem besonderen Event, einem Museumsbesuch oder einem regionaltypischen Essen steht. Dann können die Überlegungen, wohin es gehen soll, durchaus zu einem schwierigen Unterfangen werden.

Text: Johanna Ritter

Wagen wir uns zusammen einige Kilometer über den Tellerrand der Region Hannover hinweg und besuchen den Ort Brokeloh im Landkreis Nienburg, dann ist alles Vorgenannte überhaupt kein Problem mehr. Dieser kleine beschauliche Ort hält etliche Überraschungen bereit. Allem voran wurde Brokeloh bereits im Jahr 2004 per Bundesentscheid zum schönsten Dorf Deutschlands gekürt und darf sich seither „Golddorf“ nennen. Ein Tag im Golddorf kann zu einer Reise durch die Zeit werden, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Beginnen wir den Ausflug vom Nachbarort Husum kommend am Ortseingang von Brokeloh, bietet sich sofort als perfekte Parkmöglichkeit der Parkplatz des Bickbeernhofes an, zu dem wir später noch mehr erfahren werden. Nach Überquerung der Hauptstraße geht es entlang der Straße „Brokeloher Eichenwald“.

Wanderfans können von hier aus der Beschilderung „Hermann-Löns-Wanderweg“ folgen. Bei diesem Wanderweg handelt es sich um einen Rundwanderweg von 10 Kilometern, der auf Wald-, Sand- und Schotterwegen, Feld- und Wirtschaftswegen durch die Landschaft führt. Dabei geht es durch eine Allee von Stechpalmenbüschen (Ilex), durch die Brokeloher Heide und an Löns-Buchen und Findlingen vorbei. Am Aussichtspunkt „Tempelberg“ lohnt sich eine Rast. Hier kann der Ausblick über das Weser-Urstromtal und bei schönem Wetter sogar die Fernsicht bis zum Weserbergland genossen werden. Fragen wir uns, warum dieser Wanderweg nach dem bekannten Dichter Hermann Löns benannt wurde, fällt die Antwort nicht schwer. Da das Herz des Heidedichters, um es poetisch auszudrücken, „für das Landleben und die Heide blühte“, kam er auf seinen Reisen auch mehrfach nach Brokeloh.

Seine Erfahrungen, die er in diesem Ort sammelte, fanden sogar Einzug in sein Buch „Auf heimlicher Pirsch“. Hier skizziert er in Worten seine Wanderung durch die Landschaft, die von Hängebirken, Ebereschen und blaugrüner Grasheide bestanden war. Dabei lag sein Blick gleichwohl auf Flora und Fauna. Wer mehr über die Ausführungen von Löns wissen möchte, schaue auf der Website von Brokeloh unter Freizeit und Ausflugstipps. Hier kann sein Bericht „Zwischen Meer und Moor“ nachgelesen werden.

Folgt man der Beschilderung des Wanderweges, geht es vom Aussichtsberg eigentlich weiter Richtung Rittergut Brokeloh. Doch lohnt sich vorher noch ein kleiner Abstecher in die Brokeloher Dorfstraße. Hier befindet sich eine Seltenheit mit Museumscharakter. Dabei sei schon jetzt verraten, dass die Besichtigung dieser Rarität keinem eigentlichen Museumsbesuch gleicht. Denn dazu ist die Telefonzelle, in der wechselnde Ausstellungen gezeigt werden, wirklich zu klein.

Eine Vielzahl von Themenbereichen wurde im Turnus der Jahreszeiten in der Zelle schon sichtbar. Ob Jagd und Fischerei, das Einkochen in früherer Zeit, Urlaubsfeeling, die Kindergeschichten von Petterson und Findus oder Max und Moritz oder einhundert Christbaumkugeln zur Weihnachtszeit, um nur einige Ausstellungen zu nennen. Zudem hielt auch der fantastische Ort „Mythodea“ Einzug in die Zelle.

„Mythodea“, fragen Sie sich jetzt möglicherweise. Wo soll denn das sein? Dieser Kontinent befindet sich einmal pro Jahr direkt in Brokeloh, wenn das fantastische Rollenspiel „Live Action Role Playing“ (LARP) rund um das Rittergut Brokeloh startet. In diesem Jahr treffen Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom 5. bis 9. August in Brokeloh ein. Diese Großveranstaltung bringt Jahr für Jahr bis zu 10.000 Spielcharaktere nach Brokeloh, durch die die Welt Mythodea zum Leben erweckt wird. Damit ist das Conquest of Mythodea das größte Fantasyrollenspiel der Welt.

Doch was geschieht in Mythodea nun genau? Menschen entfliehen ihrem Alltag und werden für einige Tage zu Rittern, Edelfrauen, Orks, Elfen, Zauberern, Römern und vielen anderen Darstellenden. Für alle diejenigen, die schon immer einmal in die Zeit des Mittelalters reisen, sich in Kettenhemd oder Rüstung, aufwendig geschneidertem Gewand, in Roben oder Bauerntracht kleiden wollten, bietet der Feldzug nach Mythodea eine einzigartige Erfahrung. Selbstredend gehört Schlachtenlärm in diesen Tagen zum Grundrauschen in Brokeloh.

Für Interessierte gibt es einen Leitfaden, an dem sich Neulinge orientieren können. Schließlich gilt es vorab zu überlegen, welchen Charakter man darstellen, welchen Namen man tragen möchte und was mit dieser Figur im Setting dargestellt werden soll. Auch welche Vorbereitungen zu treffen und was sich alles im Reisegepäck für diese Mittelalterreise befinden muss, braucht eine genaue Vorabplanung. Interessierte, die nicht gleich mehrere Tage auf diesem fantastischen Kontinent wohnen wollen, können ihn auch für einen Tag besuchen.

Zeitgleich zum Conquest findet auf einem Gelände nahebei das „Fantastica Festival“ statt. Hier können Zuschauende von der Schlachten-Tribüne aus die Luft des Conquests schnuppern, ohne selbst kostümiert mitten im Geschehen zu sein. Auch hier gibt es ein mittelalterliches Programm mit Marktständen für alle Interessierten.

Nach dergleichen ereignisreichen Erlebnissen wie einer Wanderung durch die Landschaft, dem Besuch eines Mini-Museums oder einer Stippvisite im Mittelalter macht sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Hunger breit. Glücklicherweise hat uns der Rundgang durch Brokeloh nun wieder an unseren Ausgangspunkt zum Parkplatz des Bickbeernhofes, zurückgeführt. Die Blaubeeren an den Büschen leuchten uns schon von Weitem entgegen und sie wollen auch aus der Nähe betrachtet werden. Entweder direkt auf dem Teller oder beim Pflücken von Hand.

Wie bereits die vorangegangenen Tagesetappen, so wird auch der Besuch des biozertifizierten Bickbeernhofes mit angegliedertem Hofcafé zu einem besonderen Erlebnis. Denn wer wäre nicht gerne zu Gast bei der Landwirtin des Jahres 2025, die den Ceres-Award 2025 erhielt? Doch was macht diesen Hof nun so besonders? Die einen sagen, es sei die Blaubeer-Currywurst, die anderen sagen, es seien die Puffer mit Blaubeerkompott, wieder andere Stimmen schwören auf den Blaubeerketchup oder bevorzugen die Blaubeermettwurst. Die Liste ist beliebig erweiterbar. Dabei steht hinter all diesen Leckereien ein langjähriges Konzept, das seit dem Jahr 1968, als der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Herse auf den Anbau von Kulturheidelbeeren setzte, fußt.

„Mittlerweile ernten wir im Jahresdurchschnitt 130 Tonnen Blaubeeren, die direkt vor Ort in einer Halle verarbeitet und vermarktet werden“, berichtet Inhaberin Sylke Herse. Das Blaubeereldorado auf 22,5 Hektar Fläche an sieben Standorten rund um das Hofcafé bietet zudem genügend Fruchtmenge für Blaubeerfans zum Selberpflücken. Wer eine Patenschaft für einen Teil der Plantage eingehen möchte, wird auf der „Crowdfarming.com“-Plattform fündig und erhält die entsprechende Erntemenge sogar direkt nach Hause geliefert.

Mit vielen neuen, fantastischen, mittelalterlichen, naturnahen und leckeren Eindrücken endet dieser Tag rings um Brokeloh.

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