Vom Flaschenkürbis zur Lampe: Wie Kalebassen die Herzen erobern

27. Oktober 2026 / Lebensart

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Bild: Kalebassenmanufaktur Virginia Lauterbach

Text: Johanna Ritter

Wer kennt sie nicht, die Kürbisgesichter, die im Oktober in Kürbisse geschnitzt werden und schaurig schön durch dunkle Abende leuchten. Schnitzkürbisse sind vielerorts ab September erhältlich und erfreuen Klein und Groß. Schließlich ist es etwas Besonderes, einem Kürbis für eine gewisse Zeit ein zweites Leben einzuhauchen. Doch diese allseits bekannten Schnitzkürbisse sollen heute nicht im Fokus stehen. Wir widmen unsere Aufmerksamkeit den Kalebassen. Einer Kürbisart, die landläufig als Flaschenkürbis bezeichnet wird und in der Kalebassenmanufaktur von Lampenkünstlerin Virginia Lauterbach in Berenbusch im Landkreis Schaumburg kunstvoll und individuell in Szene gesetzt und zum Leuchten gebracht wird.

Bevor wir dem Entstehungsprozess der Kürbislampen auf den Grund gehen, wenden wir uns für einen allumfassenden Blick der Pflanze als solcher zu. Eine Kalebasse ist ein einjähriges Rankgewächs, das als Frucht Kürbisse verschiedener flaschenartiger Formen trägt. Die Kalebasse wird im Frühjahr direkt ins Freiland ausgesät oder im Topf vorgezogen und dann ins Freie gepflanzt. Im Laufe des Jahres erreichen die Ranken eine Länge von bis zu 30 Metern. Die Ernte der Flaschenkürbisse erfolgt Ende Oktober bis Anfang November.

Nun tauchen wir in die magische Welt der Kalebassenmanufaktur von Virginia Lauterbach ein. Monatelang wachsen auf dem Grundstück von Virginia und Klaus-Peter Lauterbach in Berenbusch auf einer Gartenfläche von 2.500 Quadratmetern Kalebassenranken an Rankhilfen und erschaffen schattige Laubengänge. Die Früchte wachsen und gedeihen, bis unterschiedliche Flaschenkürbisse verschiedener Größen und Gewichtsklassen hängend, sitzend und liegend in Erscheinung treten. Mit äußerster Sorgfalt werden große Exemplare abgestützt oder auf Hockern und Podesten platziert. Andere liegen bis zur Ernte in Hängematten, zu deren Herstellung ausrangierte Kartoffelsäcke dienen.

In den bis zu einhundert Meter langen Laubengängen wachsen über das Jahr hinweg Flaschenkürbisse vierzig verschiedener Sorten heran. Hierzu zieht Virginia Lauterbach 100 bis 150 Pflanzen in Töpfen vor, bevor sie sie ins Freiland auspflanzt. Um die Bestäubung der Blüten abzusichern, werden Blühmischungen ausgebracht, um Insekten anzulocken. Hummeln dürfen sich in teilweise selbstgebauten Hummelkästen ansiedeln. Im Juli und August geben die Kürbisse mit ihrem Wachstum richtig Gas. Zur Ernte sind sie von 5 bis 300 Zentimeter groß. Sie haben richtig gelesen! Es gibt sowohl winzige Sorten als auch solche in Schlangenlänge von bis zu 3 Metern.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie man darauf kommt, einen Garten mit dem Anbau von Flaschenkürbissen zu füllen? Der Einfachheit halber geben wir diese Frage an Virginia Lauterbach weiter. „Begonnen hat meine Leidenschaft für diese alte Kulturpflanze vor ungefähr fünfzehn Jahren, als ich zusammen mit meinem Ehemann Klaus-Peter ein paar Pflanzen anbaute, um aus Flaschenkürbissen Behausungen für unsere Baumstreifenhörnchen und Nisthilfen für Gartenvögel herzustellen“, sagt die Kalebassenkünstlerin.

Ab diesem Zeitpunkt zogen die Kalebassen mit ihren vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten Virginia Lauterbach in ihren Bann. Sie entdeckte, dass sich aus den Früchten sogar einzigartige Lampen herstellen ließen. Diese Erkenntnis eröffnete ihr die Möglichkeit, aus den selbstgezogenen Kürbissen bleibende Kunstwerke zu gestalten. Der Grundstein für den Flaschenkürbisanbau war gelegt, der Schritt in eine kreative Selbstständigkeit ließ sich nicht mehr aufhalten.

Seitdem ranken, blühen, wachsen und gedeihen die Kürbispflanzen im Berenbuscher Garten, bis die alljährliche Ernte ansteht. „Die ungefähre Reifezeit der Früchte liegt zwischen 90 bis 120 Tagen. Sind die Stiele eingetrocknet, dann sind die Kürbisse reif und können abgeerntet und geschützt und luftig zum Trocknen gelagert werden“, erklärt Virginia Lauterbach. Ab April des Folgejahres sind die kleineren Exemplare bereits durchgetrocknet. Die größeren Kürbisse brauchen etwas mehr Zeit, damit ihre Außenhaut hart wie Holz wird.

Wir sind gespannt, denn nun geht es endlich los! Aus der Kalebasse entsteht eine Lampe: Als Erstes wird die Außenhaut der Kalebasse mit Wasser und Stahlwolle oder Küchenschaber gereinigt. Danach wird das getrocknete Fruchtfleisch im Innenbereich der Kalebasse mithilfe von Drahtbürsten und weiteren Hilfsmitteln bis auf die glatte Struktur abgetragen. Es folgt die kreative Arbeit, die aus der hölzernen Kalebasse eine lebenslang haltbare Lampe entstehen lässt. Hierfür benötigt die Kalebassenkünstlerin diverses Werkzeug wie Schleifpapier, Draht- und Stahlbürste, Bohrer in verschiedenen Stärken und eine Fräse. Genaues Augenmaß, Fingerfertigkeit und eine ruhige Hand sind beim Werken zwingend erforderlich. Auch ein Schutzanzug ist wegen des Feinstaubs unabdingbar. „Die Bearbeitung einer großen Kalebasse, aus der eine aufwendig gestaltete Lampe werden soll, dauert drei bis vier Tage“, sagt Virginia Lauterbach. Nachdem sie das Motiv für die neue Lampe herausgearbeitet hat, wird diese mit Schutzlack überzogen. Soll die Lampe farblich gestaltet werden, wird sie individuell bemalt, bevor der Schutzlack aufgetragen wird. Als letzten Schritt erhält die zukünftige Lampe ihr Leuchtmittel und einen Lampensockel. Schon bei Tageslicht besehen sind die Lampen ein Hingucker. Doch erst im Dunkeln entfalten sie ihr volles Potenzial, werfen Licht, Schatten und Motive an die Wand, wodurch eine einzigartige Atmosphäre entsteht.

„Mit Naturmaterialien zu arbeiten und aus einem nachwachsenden Rohstoff etwas zu fertigen, ist einfach total schön. Ich kann meinen Spaß und meine Freude dabei frei ausleben“, sagt die handwerklich und kreativ Begeisterte. Besonders wichtig beim Anbau der Flaschenkürbisse und der Herstellung der Lampenunikate ist jedoch der ökologische Fußabdruck. Somit ist jedes Produkt, das die Werkstatt in Berenbusch verlässt, nicht nur zu einhundert Prozent einmalig, sondern auch nachhaltig und regional.

Wer sich mit eigenen Augen von der Magie der rankenden Kalebassen und ihrer Leuchtkraft überzeugen möchte, dem sei der Tag der offenen Tür der Manufaktur ans Herz gelegt. Ist dieser bereits verstrichen oder besteht der Wunsch, zu einem anderen Zeitpunkt in die Welt der Kalebassen-Lampen einzutauchen, ist dies nach vorheriger Terminabsprache möglich. Für Kreative, die sich selbst an der Entstehung einer Kalebassenlampe versuchen möchten, hält Virginia Lauterbach einen Online-Kurs bereit, in dem nicht nur so gut wie sämtliches Arbeitsmaterial bereitgestellt, sondern auch jeder Arbeitsschritt genauestens erklärt wird. Neuigkeiten und Termine, wann und wo in den Flaschenkürbissen das Licht angeht und sie zukünftig zu sehen sind, können auf der Homepage der Manufaktur in Erfahrung gebracht werden.

www.kalebassenmanufaktur.de

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