Ausstellung: Menschenbilder I Zeitgeschichte. Der Fotograf Joachim Giesel 

04. Juni 2026 / Kultur

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Elias Willner

Seit über fünfzig Jahren hält der hannoversche Bildjournalist, freie Autoren- und kommerzielle Werbefotograf Joachim Giesel (*1940 in Breslau) mit seinen Dokumentationen, Serien, Porträts und Werbeaufnahmen die politische, soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland fest. Jetzt zeigt eine Ausstellung noch bis 14. Juni seine Werke in der Eisfabrik (GAF).

In ihren historischen Zäsuren und sozialen Transformationen. In ihrem Wohlstand und in ihrer Spießigkeit. In ihrer Schönheit und Diversität. Und im Mittelpunkt steht dabei stets der Mensch. Giesel begleitet Queen Elisabeth II. 1965 bei ihrem Besuch in Hannover, mischt sich 1967 unter die Trauergäste der Beerdigung von Benno Ohnesorg, ist 1974 bei dem legendären Fußballspiel zwischen der DDR und Brasilien dabei, schafft eine Kanzlergalerie von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, fotografiert eine Serie mit psychisch kranken Menschen, inszeniert bestechende Porträts von Franz Beckenbauer bis Udo Jürgens, von Max Frisch bis Doris Dörrie, von Louis Armstrong bis Rudolf Augstein.

In der Tradition eines August Sanders stehend, geben seine Fotografien uns heute generationsübergreifend faszinierende Einblicke in die westdeutsche Gesellschaft zwischen Plattenbau und Einfamilienhaus, zwischen Fließbandarbeitern und Drag Queens, zwischen Schwanensee und FKK. Sie sind somit Zeitdokumente deutscher Geschichte.

Indem Giesel nach dem „Bild hinter dem Bild“ sucht, faszinieren seine Menschenbilder die Betrachterinnen und Betrachter zugleich durch ihre ästhetische Vielfalt, technische Brillanz und unverwechselbare Präsenz und machen den Fotografen zu einer bedeutenden Figur der deutschen Fotogeschichte nach 1945. 

Der Fotograf 

Nach seiner Flucht aus Schlesien absolviert Joachim Giesel von 1958 bis 1961 eine Ausbildung zum Berufsfotografen in Hannover und ist zunächst als Bildjournalist bei der Hannoverschen Presse tätig. 1965 legt er seine Meisterprüfung ab und macht sich selbständig.

1972 gründet Giesel zusammen mit befreundeten Fotografinnen und Fotografen in Hannover die spectrum Photogalerie, eine der ersten Fotogalerien Europas überhaupt, welche annähernd 100 nationale und internationale Ausstellungen realisiert. Zu Giesels bekannten Serien und Buchpublikationen zählen Grenzland–Niemandsland (1978–1989), Der Mensch in der Gruppe (1970–1989), Tänzer-Portraits (1989), Verrückt nach Ilten (2003) sowie Hauptsache Arbeit (2010).

Giesel nimmt an über 50 Ausstellungen im In- und Ausland teil und engagiert sich in verschiedenen Funktionen und Formaten als Kurator, Lehrer, Publizist und Funktionär für die Entwicklung und Verbreitung der Fotografie in der Bundesrepublik. Seine Fotografien befinden sich in renommierten Museen und Sammlungen wie der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums, dem Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg und dem Sprengel Museum Hannover. Seit 2022 werden die über 3.000.000 Dokumente im Joachim Giesel Archiv gesichtet und aufgearbeitet. 

Die Ausstellung 

In der Ausstellung MENSCHENBILDER I ZEITGESCHICHTE. Der Fotograf Joachim Giesel wird Giesels OEuvre zum ersten Mal in seiner ganzen thematischen und ästhetischen Vielfalt präsentiert. In 17 Sektionen werden circa 115 Arbeiten zwischen Geschichte und Gesellschaft, zwischen Werbung und Tanz, zwischen Mode und Sport, zwischen Promis und Sozialdokumentation, zwischen Gender und Behind the Scenes vorgestellt und kontextualisiert.

Über verschiedene Fotografien (wie die historische Serie Grenzland–Niemandsland, im Zuge derer Giesel 1983 für den Stern die deutsch-deutsche Grenze fotografiert, oder seine Diplomarbeit Vorstädte (1980)) lässt sich zudem eine Brücke zwischen West und Ost beziehungsweise zu ostdeutschen Fotografiekolleginnen und -kollegen schlagen. 

Die Ausstellung »Menschenbilder | Zeitgeschichte. Der Fotograf Joachim Giesel« wurde erstmals 2024/2025 im MÄDLER ART FORUM in Leipzig gezeigt. Sie entstand unter der Leitung von Rickie Lynne Giesel (Joachim Giesel Archiv) und Prof. Martin Schieder (Universität Leipzig) in Zusammenarbeit mit Studentinnen und Studenten des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Leipzig. 

Das Rahmenprogramm 

Öffentliche Führungen: Do–So, 11 Uhr und 18 Uhr (ohne Voranmeldung) 

Gruppenführungen für 1–20 Personen (mit Voranmeldung: office@gieselarchiv.de) 

Meet the Artist: Jeden Samstag von 15–17 Uhr wird der Fotograf Joachim Giesel persönlich in der Ausstellung anwesend sein und freut sich auf Ihre Fragen.

Lange Nacht der Museen: Freitag, 5. Juni, 18–23.30 Uhr: verlängerte Öffnungszeiten
18 Uhr: Führung durch die Ausstellung 
19 Uhr: Führung im Dialog mit Joachim Giesel
20 Uhr: Meet and Greet mit dem Fotografen Joachim Giesel bei einem Getränk 

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