Bärbel und Hans-Jürgen Wittkopf »Ohne geht es auch nicht«

7. Oktober 2021

Mit einer Uhr, deren Zeiger auf fünf vor zwölf steht, fing alles an. Im Jahr 1995 initiierte das Ehepaar Bärbel und Hans-Jürgen Wittkopf die Gemeinschaft Bothfelder Kaufleute e. V. (GBK). Aus ursprünglich 13 Mitgliedern sind fast 150 geworden. Letztes Jahr feierte die GBK ihr 25-jähriges Jubiläum. Wir trafen das Ehepaar Wittkopf in ihrem Vereinsbüro in der Sutelstraße und erfuhren, dass ein Kaufleuteverband auch beim Thema Digitalisierung, Stadtteilentwicklung und Kulturarbeit wichtige Impulse setzen kann. Bevor es aber zum großen Faktencheck ging, galt es, vorab ein wichtiges Detail zu klären …

radius/30: Die Frage sei erlaubt: Sie beide sind die Triebfedern der GBK und scheinen sogar optisch ganz aufeinander abgestimmt. Kann es sein, dass Sie zusammen einkaufen gehen? Das wäre ja der Traum einer jeden Frau.

Hans-Jürgen Wittkopf: Ja, das ist gut möglich. Zumindest wenn es um die Klamotten geht.

Bärbel Wittkopf: Mein Mann ist tatsächlich jemand, der gerne durch Läden bummelt und Mode kauft. Das machen wir auch gerne zusammen. Mein Mann hat für jede Gelegenheit die passenden Socken. Da achtet er sehr drauf, dass alles passt.

H.-J. W.: Ich stehe tatsächlich täglich vor meinem großen Schubkasten, der ist voll mit Strümpfen. Aber auch die Brille muss farblich passen, wie Sie sehen.

B. W.: Ja, da besitzt er auch eine kleine Sammlung.

H.-J. W.: 40, 50 Stück müssten es sein.

Inwiefern hat dieser kleine, ich nenne es jetzt mal Spleen, etwas mit Ihrer Tätigkeit als Kaufmann und Vorsitzender der GBK zu tun?

B. W.: Wir sind beide in der Einrichtungsbranche tätig. Da ist es sehr wichtig, ein Gefühl für Farben und Stoffe zu haben. Wir sind noch gut im Arbeitsleben drin. Wir müssen ja. Weil die Rente nicht ausreicht.

Die Grundversorgung im eigenen Stadtteil zu sichern ist ein wichtiges Anliegen von Bärbel Wittkopf.

Wie verbinden Sie Ihre Tätigkeit als selbstständige Unternehmer mit Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

B. W.: Unsere Firma, Bothfelder Wohnkonzepte, führen wir in kleinem Rahmen weiter. Wir bedienen viele alte Stammkunden, die sich immer wieder bei uns melden. Die geben uns den Schlüssel in die Hand und sagen: Nun macht mal.

H.-J. W.: Das sollte man auch erwähnen: Wir agieren seit 20 Jahren nachhaltig. Schließlich reden wir oft den Kunden aus, ihre alte Küche wegzuschmeißen. Wir arbeiten die Küche lieber auf. Ein typisches Beispiel: Ein Kunde muss wegziehen und trauert um seine Küche, die erst sieben Jahre alt ist. Aber die muss nicht auf den Sperrmüll. Eine Küche ist wie Legosteine. Die lässt sich wieder neu zusammenbauen und um ein paar hübsche Ideen ergänzen.

B. W.: Wir lassen dem Kunden dabei natürlich seinen Freiraum. Er soll entscheiden, was für ihn Sinn macht. Von zehn Fällen können wir den Kunden in neun Fällen überzeugen.

Kommen wir zu Ihrer Tätigkeit in der GBK. Was bieten Sie Ihren Mitgliedern?

H.-J. W.: Das ist sehr viel. Ich kann Ihnen ein paar Stichworte liefern: Weiter- und Ausbildung durch Workshops, Vorträge, Seminare, Netzwerk-Frühstücke, günstige Beratung in Wirtschafts- und Rechtsfragen, Infrastrukturmanagement und vieles mehr.

Wie muss man sich das vorstellen: Eine Immobilie wird frei und Sie werden um Ihren Rat gefragt, was am besten dorthin passt?

H.-J. W.: Im Verein sind viele Mitglieder, die Immobilien mit oder ohne Gewerbeanteil besitzen. Über Leerstände werden wir schnell informiert und nach unserer Meinung gefragt. Wir raten dann beispielsweise: Hier passt eine Eisdiele rein, aber kein Café und keine Bäckerei. Aber es gibt auch immer wieder Immobilienmakler, die wenig darüber nachdenken, ob das in die Infrastruktur passt. Die wollen nur die Provision schnell kassieren. Oft scheitert das. Dann kommen wir wieder ins Spiel.

B. W.: Am Anfang der Sutelstraße Nähe Podbi steht aktuell ein Laden leer – einst der Standort einer Apotheke. Wir hatten damals davon abgeraten, da auf kürzester Strecke sechs Apotheken zu finden waren. Man hat uns leider nicht gehört. Das Ergebnis: Die Apotheke ist pleite gegangen. Jetzt wird ein Facharzt reingehen. Handel und Wandel wäre vielleicht besser gewesen. Aber nebenbei bemerkt: Ärzte sind bei uns auch Mitglied.

Hans-Jürgen Wittkopf bündelt in der GBK Wünsche der Mitglieder und gibt sie in unterschiedlichen Gremien an Stadt und Politik weiter.

Ich höre also raus, es sind nicht nur Kaufleute in der Gemeinschaft Bothfelder Kaufleute organisiert?

H.-J. W.: Nein. Aber es hat alles mit Kaufleuten angefangen. Doch wir merkten schnell, dass die ganze Bandbreite an selbstständigen Berufen zu unserem Stadtteil gehört. Die Anfragen zur Mitgliedschaft folgten alsbald. So ist es gekommen, dass auch Architekten, Ärzte, Künstler unserer Gemeinschaft beigetreten sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es gibt Idealisten, die sich mit dem Stadtteil identifizieren. Es gibt welche, die sehen nur den Profit. Dann gibt es wieder Leute, die unbedingt das Logo an der Tür haben müssen, weil der Verein diese Strahlkraft hat und die Kunden danach fragen.

Wer Ihre Homepage liest, bekommt den Eindruck, dass Sie mehr bewegen als nur eine Interessenvertretung von selbstständigen Händlern und Dienstleistern zu sein.

B. W.: Durch unsere Bekanntheit sind wir fast schon ein Bürgerbüro. Es kommen wirklich drollige Anfragen. Etwa wurde sich bei uns darüber beschwert, dass die Kurze-Kamp-Straße zu dreckig wäre. Das ist ja nicht die Aufgabe unseres Vereins, aber wir haben uns gekümmert. Nun wird vor Ort für Sauberkeit gesorgt.

H.-J. W.: Wir sind vor 25 Jahren die Ersten gewesen, die die Stadt als auch die IHK überzeugen mussten, dass die Zukunft nicht Werbegemeinschaften sind, sondern Standort- bzw. Marketinggemeinschaften. Vom Stadtteilfernsehen über den Herbstmarkt bis zu den Magazinen „Veranstaltungen & Termine“ und „Bothfeld Magazin“ gehen wir weit über den üblichen Rahmen hinaus.

Wie hat alles angefangen? Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, die GBK zu gründen?

B. W.: Das fing alles mit der „grünen Wiese“ mit dem Bau des Einkaufszentrums in Altwarmbüchen an. In unserem Stadtteil kam die Sorge auf, dass diese Unternehmenskonzentration unsere Kunden wegnimmt. Wir führten ja damals noch unser Möbelhaus mittlerer Größe, während in Altwarmbüchen Porta entstand. Möbelhäuser wie wir oder Redigan sind in der Zeit ja auch alle draufgegangen. Wir merkten aber, das trifft uns nicht alleine. Also haben wir eine Aktion gestartet.

Das vollständige Interview mit Bärbel und Hans-Jürgen Wittkopf …

… lesen Sie in unserer aktuellen radius/30 Herbstausgabe.

Interview: Bernd Schwope