Durchstarten bei und mit den RECKEN

3. Juli 2021

Foto: Jan Günther/DIE RECKEN

Die TSV Hannover-Burgdorf ist bekannt für ihre exzellente Nachwuchsarbeit im Handball. Von den vielen Talenten profitiert natürlich auch die erste Männermannschaft in der Bundesliga. Aber die RECKEN setzen sich auch noch auf einem anderen Feld für hoffnungsvolle Newcomer ein: und zwar bei den eigenen Sponsoren und Partnern. Dort bekommen Start-ups seit Kurzem bei den sogenannten Durchstartern die Chance, sich nachhaltig im großen Netzwerk des Vereins zu positionieren. Wie gut junge Unternehmen und Bundesliga-Handball zusammenpassen, davon erzählen einige Protagonisten, die es genau wissen müssen. Ein Bericht.

Wenn Domenico Ebner in seinem Arbeitszimmer sitzt, dann schaut er direkt auf sein Visionboard. Darauf sind verschiedene Werte und Wünsche zu lesen. Einer davon: fleißig sein. Bei solchen Begriffen denken die meisten wohl sofort an einen visionären Unternehmer. Das ist bei Domenico Ebner aber nur die halbe Wahrheit. Dazu aber später mehr. Im Hauptberuf ist der 26-Jährige nämlich Handballprofi. Seit Mitte 2019 steht er bei der TSV Hannover-Burgdorf – den RECKEN – als Torwart zwischen den Pfosten der Erstliga-Mannschaft. Dort – das ist auch auf dem Visionboard zu lesen – möchte er sich zu einem der besten Torhüter der Handball-Bundesliga entwickeln. Der Mann setzt sich gerne Ziele – und erreicht damit etwas.

Beispiele gefällig? Ebner arbeitete sich über die A-Jugend und den Drittliga-Kader bei der SG Köndringen/Teningen erst in die 2. Bundesliga zur SG BBM Bietigheim hoch, spielte mit dem neuen Team nach dem Aufstieg dann ein Jahr in Liga eins, bevor er sich 2019 durch starke Leistungen für ein Engagement in Hannover empfahl – und den Schritt wagte. Mit Erfolg. Leben vom Handball konnte er aber lange nicht. „Das hat erst mit dem Aufstieg 2018 in die Bundesliga geklappt. Vorher habe ich nebenbei immer gearbeitet“, sagt der gelernte Fachinformatiker.

Foto: Jan Günther/DIE RECKEN

Handballer mit Onlineshop

Ein weiteres Beispiel: Einige Zeilen weiter vorne in diesem Text ist etwas von einem visionären Unternehmer zu lesen. Und tatsächlich: So ganz nebenbei hat sich Ebner in die Start-up-Szene gewagt und einen Onlineshop aufgebaut. Die Produktpalette passt irgendwie zu dem, was der in Freiburg im Breisgau Geborene während des größten Teils seines Arbeitstages macht: Der italienische Nationalspieler verkauft unter anderem Laufsocken und Schuheinlagen. „Die Sache mit dem Onlineshop hat vor rund zwei Jahren ganz klein gemeinsam mit meinem Berater angefangen. 2020 haben wir dann eine UG gegründet, im Januar 2021 den ersten fünfstelligen Monatsumsatz gemacht“, berichtet Ebner, der mittlerweile täglich an seinem Projekt feilt und festhält, „dass wir nachhaltig wachsen wollen.“

„Für uns ist das eine wertvolle Geschichte“

Damit passt Domenico Ebner gleich in zweierlei Hinsicht perfekt zur TSV Hannover-Burgdorf. Auf der einen Seite ist er sportlich gesehen einer der Leistungsträger, auf der anderen Seiten leitet er ein Start-up-Unternehmen. Und denen widmen sich die RECKEN mittlerweile ganz besonders: durch den Durchstarter-Bereich. Dabei handelt es sich um ein spezielles Angebot für Start-ups, die sich so im Partnersektor des Vereins etablieren können.

„Hannover hat eine oft unterschätzte Gründerszene. In unserer Stadt passiert extrem viel, es gibt zahlreiche innovative, junge Unternehmen. Und genau denen möchten wir anbieten, von unserem großen Netzwerk an Sponsoren und Partnern zu profitieren und sich bei uns einzubringen“, verrät Arne Habekost, bei den RECKEN zuständig für Business Development & Vermarktung und Initiator der Durchstarter. Allerdings schränkt Habekost ein: „Für uns – und sicherlich auch für die Start-ups – ist das eine wertvolle Geschichte mit wichtigen Impulsen. Wie sehr ein junges Unternehmen, das für den Durchstarter-Bereich nicht älter als fünf Jahre sein darf, davon profitieren kann, hängt aber natürlich davon ab, wie es sich einbringt und beispielsweise Kontakte knüpft.“

Das Start-up Yuanda Robotics aus Hannover entwickelte einen Roboter, der als Fahnenschwenkroboter die Spiele lebendiger macht.
Urban Lesjak und Ilija Brozovic´ (von links) sind begeistert von der neuen Unterstützung. Foto: Yuanda Robotics

Yuanda Robotics profitiert von Kooperation mit Uni

Wie gut sich Handball bei der TSV Hannover-Burgdorf und Jungunternehmen kombinieren lassen, wird am Beispiel der Yuanda Robotics GmbH – einem Durchstarter-Mitglied – deutlich. Yuanda ist seit rund vier Jahren am Markt und wurde damals gewissermaßen aus der Universität Hannover durch dort tätige Ingenieure gegründet. Vor etwa drei Jahren ist Christoph Kremsier direkt von der Uni in die Firma, die Roboter für viele unterschiedliche Arbeits- und Lebensbereiche entwickelt, eingestiegen – und hat damit einen ganz klassischen Yuanda-Weg beschritten.

„Unsere Roboter entwickeln wir am Standort Hannover, produziert werden sie an unserem zweiten Standort in China. Mittlerweile beschäftigen wir rund 60 Mitarbeiter – und viele davon sind direkt von der Uni, mit der wir eng kooperieren, zu uns gekommen. Das ist natürlich ein großer Vorteil, zumal auch Studierende bei uns schon Einblicke bekommen“, unterstreicht Christoph Kremsier, wie entscheidend die Gewinnung von leistungsstarkem Nachwuchs ist. Im Netzwerk der RECKEN möchte Yuanda Robotics nun weitere Kontakte knüpfen – und den nächsten Schritt gehen, um sich in der hannoverschen Unternehmenslandschaft zu positionieren.

Talentschmiede Burgdorf

Und beim Stichwort leistungsstarker Nachwuchs sind wir wieder bei der TSV Hannover-Burgdorf. Dort wird bekanntlich seit vielen Jahren herausragende Jugendarbeit geleistet. Davon zeugen die männliche A-Jugend, die in der Bundesliga um Punkte kämpft, und die in Liga drei aktive zweite Männermannschaft, wo sich die Talente aus der Jugend entwickeln und Erfahrung sammeln können. Dass dieses Konzept gut greift, zeigt sich regelmäßig daran, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in den Erstligakader schaffen. Zu nennen ist hier wahrscheinlich an erster Stelle Timo Kastening. Der spielte bereits in der Burgdorfer Jugendabteilung und zählt in Melsungen mittlerweile zu den besten deutschen Rechtsaußen. Zwar auf einer anderen Position – nämlich im linken Rückraum – ist Martin Hanne im Einsatz, trotzdem wandelt er irgendwie auf den Spuren von Kastening.

Auch der im Mai 20 Jahre alt werdende Hanne kam schon als Jugendlicher zur TSV und durfte früh Erstligaluft schnuppern. Als im Dezember 2018 einige Stammkräfte verletzungsbedingt passen mussten, sprang der damals 17-Jährige im Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar Löwen in die Bresche – und wie. „Ich durfte rund 40 Minuten spielen und habe fünf Tore erzielt. Und das als A-Jugendlicher. Das war ein Traum“, sagt Hanne, der momentan noch im Erweiterungskader geführt wird und ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der TSV Burgdorf macht. „Für mich ist das gerade ein Überbrückungsjahr. Vor Kurzem habe ich aber einen Profivertrag mit einer Laufzeit bis 2025 unterschrieben. Zudem möchte ich studieren. Psychologie ist interessant“, so Hanne, der schon vor Jahren angab, Handballer von Beruf werden zu wollen. Die Beispiele Domenico Ebner und Martin Hanne zeigen: Auch Handballer, obwohl im Team aktiv, sind in gewisser Weise als Start-ups zu verstehen.

Für Handballer und Start-ups zählen gleiche Werte

Einig sind sich Martin Hanne, Domenico Ebner und Christoph Kremsier, wenn es um die Eigenschaften und Werte geht, die Handballer wie Unternehmensgründer besitzen beziehungsweise mitbringen müssen. „Teamfähigkeit ist ganz entscheidend, denn wir sind nur zusammen erfolgreich. Dazu kommt Belastbarkeit“, erklärt Martin Hanne. Und Domenico Ebner sagt: „Das passende Netzwerk, Pünktlichkeit, Bodenständigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit würde ich zusätzlich noch nennen. Und die richtige Vorbereitung auf verschiedene Situationen.“ Und Robotcreator Kremsier? „Als den entscheidenden Faktor werte ich für Start-ups eine Vision, ein Ziel, auf das alle hinarbeiten. Ohne die Vision und ein dazu passendes Mindset geht es nicht.“ Und da schließt sich der Kreis. Denn auch die RECKEN folgen ihrer Vision, um immer weiter zu neuen Zielen durchstarten zu können. 

Text: Rouven Theiß