E-Scooter: Nutzloser Trend oder Mobilität der Zukunft?

18. August 2021

E-Scooter am Hauptbahnhof Hannover.

E-Scooter in Hannover: Die Elektromobilität auf dem Vormarsch.

2019 wurde der E-Scooter in die Gesellschaft eingeführt. Das Ziel: Die Verkehrswende vorantreiben und eine umweltfreundliche Alternative zum Auto schaffen. Nach anderthalb Jahren scheint die Begeisterung etwas abgeflaut. Sind die Scooter wirklich die mobile Zukunft oder taugen sie überhaupt nichts?

Der E-Scooter, oder auch E-Tretroller genannt, ist in Hannover mittlerweile weit verbreitet. „Die E-Scooter-Anbieter haben sich damals bei uns gemeldet, wir haben darüber gesprochen, was zu beachten ist und zum Beispiel Regeln für das Parken vereinbart“, erzählt Michaela Steigerwald von der Stadt Hannover. So wurde der Startschuss für den Traum von der neuen Mobilität gesetzt.

Kaufen oder Leihen?

Seit 2019 werden die elektrischen Scooter nun also zum Ausleihen angeboten. Viele Leihfirmen wie Lime oder TIER haben sich so auch deutschlandweit einen Namen gemacht. Allerdings ist es auch kein Problem, sich privat einen eigenen Scooter anzuschaffen. Einige Discounter haben sie im Sortiment, es gibt aber auch Fachgeschäfte, wo jeder den passenden Scooter finden kann. Der E-Scooter Shop in Hannover deckt die gesamte Bandbreite an Elektrokleinstfahrzeugen und Zubehör ab. Von ca. 200 Euro bis weit über 1.000 Euro im Fachhandel gibt es keine Grenzen. „Wenn man jetzt wirklich jeden Tag den E-Scooter nutzt, um zur Arbeit oder in die Schule zu fahren, dann lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Scooters. Wenn man Gelegenheitsnutzer ist, ist der geteilte Service perfekt“, empfiehlt Florian Anders, Pressesprecher des Leihanbieters TIER.

E-Scooter per Handy mieten.
Einen Scooter zu mieten ist gar kein Problem: Es braucht lediglich eine Anmeldung in der App und schon kann es losgehen. | Foto: Laureen Dreesch

E-Mobilität in 2021

Da viele Leute während der Lockdowns zu Hause blieben, habe sich ein anderes Mobilitätsverhalten eingestellt. „Viele Menschen denken ihre Mobilität jetzt neu. Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln werden lieber gemieden. Sie suchen nach einem neuen Transportmittel, um an der frischen Luft von A nach B zu kommen“, erklärt Anders. Der E-Scooter, das E-Bike und das Fahrrad seien somit die Gewinner der Corona-Pandemie. Auch im Frühling, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen blicken lassen, steigt die Nachfrage, das kann Anders bestätigen. „Es ist eben nicht nur bei der Anfangseuphorie geblieben, sondern der E-Scooter hat sich seinen festen Platz im Mobilitätsmix der Städte erkämpft.“

Großes Potenzial

Jens-Ulrich Müller, Geschäftsführer vom E-Scooter Shop Hannover, ist ebenfalls optimistisch, was die Zukunft der elektronischen Zweiräder angeht. Der E-Scooter werde zwar immer noch vorwiegend als Leihroller und nicht als persönliches Fahrzeug gesehen und andere Verkehrsmittel wie das Fahrrad oder das E-Bike seien deutlich beliebter. „Dennoch haben die Scooter Potenzial! Sie stehen erst am Anfang der Entwicklung und ich bin mir sicher, dass sich der Trend ändern wird“, ist Jens-Ulrich Müller überzeugt. Seine Idee: Den Ansatz fördern, mit den Scootern Ausflüge zu unternehmen, oder für das „Hüpfen zwischen den Verkehrsmitteln“ zu werben. In dieses Konzept ließen sich die Scooter ganz leicht integrieren. Als Ladenbesitzer findet Müller die Mietroller eher kontraproduktiv für das Image der Scooter. Sie generieren zwar Aufmerksamkeit und Interesse, jedoch werde mit ihnen schlecht umgegangen, was vermehrt zu Ärger führe. „Es braucht nachhaltige Konzepte. Der Scooter muss gepflegt werden und es müssen noch viele Problematiken behoben werden“, appelliert Müller. In puncto Sicherheit fordert er ebenfalls eine Lösung. Die Straßen gehörten schließlich den Menschen und nicht den Autos. Trotzdem sei das Ziel, durch die Verkehrswende die Klimaziele zu erreichen.

Beschwerden und Vandalismus

Wenn man auf die städtischen Straßen schaut und nach den Scootern  Ausschau hält, wird die Erwartung von der neuen Mobilität eher enttäuscht: Die Mietroller stehen meistens ungenutzt und als lästiges Hindernis herum und wenn sie dann doch mal in Betrieb genommen werden, sind es meistens jugendliche Fahrer oder Touristen, die die Scooter zum Spaß mal ausprobieren wollen. Die Stadt Hannover bestätigt, dass einige Beschwerden darüber eingehen. „Wenn die Regeln nicht eingehalten werden, kann die Stadt allerdings nicht viel tun, außer die Beschwerden an die Anbieter weiterzuleiten“, erklärt Michaela Steigerwald. Dazu merkt Florian Anders an: „Die Beschwerden halten sich insgesamt in Grenzen. Trotzdem passiert es leider, dass Scooter unachtsam abgestellt werden. Die Lösung hierfür wäre in meinen Augen, Parkflächen für Mikromobilität zu schaffen. Davon gibt es leider noch nicht ausreichend.“ Manchmal geht es aber noch über die Beschwerde hinaus: „Es gibt immer wieder Fälle von Vandalismus. Unsere Fahrzeuge werden beklebt, besprüht oder im schlimmsten Fall von der Brücke ins Wasser geworfen.“

Scooter versperrt Gehweg
In vielen Städten kein seltenes Bild: Die Scooter werden unachtsam abgestellt und versperren den Gehweg.

Viele kritische Stimmen

So zeigt sich, dass der E-Scooter nicht von allen so positiv betrachtet wird. Häufig wird kritisiert, dass die Ökobilanz am Ende doch ziemlich schlecht ist, da die Gewinnung der Akkus schädlich für die Umwelt sei. Diese These wird vom Umweltbundesamt bestätigt: Dort heißt es, die Ökobilanz der E-Scooter sei zwar besser als die eines Autos, aber im Vergleich zum bewährten Fahrrad sind die Scooter „eine umweltschädliche Variante und keine gute Alternative.“ Ähnlich sieht das auch Student Mika Schiller. „E-Scooter werden als die tolle Alternative zum Auto verkauft. Die Scooter werden aber, eben weil sie schlecht behandelt werden, schnell wieder verschrottet. Natürlich sind sie besser als ein Auto, aber sie sind nicht besser als ein Bus oder ein Fahrrad.“ Er sieht die E-Scooter eher als „Greenwashing-Kampagne“ der Unternehmen: „Ich würde sie super finden, wenn sie tatsächlich etwas Gutes für das Klima tun würden, aber das ist schlichtweg nicht der Fall.“

Autorin: Anna Schellhase