Das Ding mit dem Dreh – magnetische Haltesysteme aus Hannover

04. Mai 2026 / Wirtschaft

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Bild: Fidlock

Text: Carmen Eickhoff

Sie meinen, Sie kennen das Unternehmen Fidlock aus Hannover nicht? Das ist nahezu unwahrscheinlich, denn der Weltmarktführer für magnetische Verschlüsse und Halterungen versteckt sich in sehr vielen Alltagsprodukten, ohne dass es auffällt.

An Helmen und Ranzen finden sich die Verschlüsse, in vielen Handy- und Flaschenhalterungen steckt Fidlock und luftdichte, hermetische Beutel sind so effektiv dank der hannöverschen Erfinder. radius/30 hat das Headquarter der innovativen Firma in Lahe besucht und Produkte und den Chef Joachim Fiedler kennengelernt.

Mit einer Lösung für den Eigenbedarf fing alles an. Der studierte Cellist Joachim Fiedler entwickelte eine funktionellere Haltung für den Cellobogen, als sie bis dato üblich waren. Mit einem magnetischen Verschluss. Einen praktischen Tragegurt für den großen Cellokasten erfand er auch, mit dem der Kasten auf dem Rücken getragen wird. Und ein multifunktionales Kissen für Musiker. Um seine Optimierungen vielen Nutzenden zugänglich zu machen, ging er in die Produktion und erkannte dabei die Relevanz von Patentierungen. Der vielseitig interessierte Fiedler, erster Berufswunsch Geigenbauer, zweiter Atomphysiker, dritter Cellist, wollte mehr wissen, verstehen und optimieren.

Vertrauensvorschuss für den ersten Auftrag

Die magnetische Schließe eignete sich auch für Schulranzen. „Wir bekamen Vertrauensvorschuss für die ersten Ranzenverschlüsse, die wir für Tatonka gemacht haben“, blickt der gebürtige Kasselaner zurück. Nach Tatonka kam Herlitz und heute kennt jedes Grundschulkind die magnetischen Ranzenverschlüsse, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gab. Fidlock hat weltweit 150 Mitarbeitende, etwa 90 davon in Hannover. Im Headquarter an der Kirchhorster Straße und im Lager am Rudolf-Diesel-Weg in Vinnhorst. In Hannover wird erdacht, getüftelt und perfektioniert, in China wird produziert. „Unsere Produzenten sind sehr gewissenhaft und absolut zuverlässig“, sagt Fiedler und kommt wieder zum Vertrauensvorschuss, den es auch hier anlässlich der ersten Zusammenarbeit gab. Erfolg braucht anscheinend Vertrauen und Zeit. „Anfangs mussten teilweise Gesten bei der Verständigung helfen und für das Veranschaulichen am Produkt nutzten wir Hände und Füße“, lacht der Erfinder, dessen persönliche Messlatte für die absolute Durchdachtheit seiner Produkte bei 100 Prozent liegt.

Absatzmarkt Asien

In Deutschland hat Fidlock nie produziert, das war auch nie geplant. „Unsere großen Märkte liegen in Asien“, erläutert Fiedler, grünen Tee im hellen Bürogebäude an der Kirchhorster Straße trinkend. Zum Beispiel Taschen- und Schuhfabrikanten, die Fidlock-Produkte zukaufen. Der Firmenstandort war auch nicht immer Hannover, sondern ursprünglich Berlin. In der Zeit der Finanzkrise um 2008 machte er eine Finanzierungsrunde, die ihn letztlich mithilfe des Hannover Beteiligungsfonds GmbH nach Hannover zog. Das Unternehmen entwickelte sich seitdem rasant auf zwei- und inzwischen dreistellige Mitarbeitendenzahlen sowie weltweit über tausend Schutzrechte für Patente und Gebrauchsmuster.

Große Rechtsabteilung setzt Interessen effektiv durch

Zu den Ranzen kamen Gurtschließen an allen Arten von Helmen: Fahrrad und Motorrad, Ski und Fechten, Skaten oder auch an Arbeitsschutzhelmen. Das Prinzip der magnetischen Verschlüsse ist sowohl in der Anwendung als auch in der Herstellung sehr beliebt und dementsprechend extrem anfällig für Plagiate. Mit immer mehr praktischen Halterungs- und Verschlusslösungen gingen immer mehr Patente einher, die wiederum von einer stattlichen Rechtsabteilung in Hannover und China verwaltet werden. „Wir beschäftigen dafür mehr Personal als Continental.“ Gegen Plagiate anzugehen sei laufend erforderlich, demonstriert Fiedler an der „Wall of Shame“, einer schultafelgroßen Schandmauer mit Plagiaten aus aller Welt.

Fidlock scheut die rechtliche Auseinandersetzung nicht und ist in China auch bis auf höchste juristische Ebene erfolgreich gewesen. „Solche Urteile haben Wert, gute Reputation ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im Land. Schlechtes Benehmen kann sich dort kein seriöses Unternehmen leisten.“

Konsumgüter und Lifestyleprodukte

Im Bereich Lifestyle sind die Verschlüsse aus Hannover auch angekommen. Modische Sneakermodelle lassen sich damit schnüren oder in der Weite regulieren. In Besprechungsräumen hängen Exemplare von Nike, Ecco und The North Face an der Wand. Deutsche Sportschuhhersteller, die Autoindustrie, viele Branchen bauen Fidlock-Produkte ein oder nutzen Lizenzen – ebenfalls ein stark wachsender Geschäftsbereich. In Motorradanzügen und Arbeitskleidung tauchen die Verschlüsse genauso auf wie in einem Golfbag oder im Verschluss von Babyschalen fürs Auto.

„Die Reaktionsgeschwindigkeit unserer asiatischen Geschäftspartner ist enorm“, verdeutlicht Fiedler anhand eines privaten Beispiels. Für das Bundesjugendorchester wollte er Schlüsselanhänger fertigen lassen. Die Sache war eilig und trotz Zeitunterschied wurden mithilfe eines Messengerdienstes blitzschnell alle Details geklärt. So blitzschnell, dass während der im Minutentakt ausgewechselten Nachrichten in Deutschland plötzlich ein freundlich-mahnendes „Your answers are slow!“ aufploppte. Zu einer mitternächtlichen Zeit in China, in der hier kein Büro besetzt wäre und alle verständnisvoll auf eine Antwort bis zum nächsten Tag warten würden.

Musik als Leitmotiv

Wie die Schlüsselanhänger-Anekdote zeigt, zieht sich Musik wie ein Leitmotiv durch Fiedlers Leben und den Fidlock-Kosmos. Von außen würde man das Unternehmen vielleicht als ehestes mit dem TWIST-System an Fahrradflaschen für Mountainbikes und Rennräder assoziieren. Nach der Erfindung des Bogenhalters und des Fiedler Tragesystems für Cellokästen über viele geschäftliche Verbindungen durch musikalische Kontakte kommen aktuell Notenständer ins Repertoire. Mit dem patentierten Vakuumhalter lassen sich die iPads mit den Noten sicher und bequem vor der singenden oder musizierenden Person aufstellen. Die Hände bleiben frei und die filigranen Ständer verdecken deutlich weniger als herkömmliche Holz-Metall-Ständer. Der Chor oder das Orchester sind für das Publikum klarer zu sehen, was das Gesamterlebnis der Darbietung abrundet.

Zukünftig mit Duraflex gemeinsam

Strategisch hält auf ausdrücklichen Wunsch von Fiedler die Firma Duraflex aus Hongkong inzwischen eine Mehrheitsbeteiligung. Mit dem Fertigen von Druckknöpfen und Zubehör im Textilbereich kommen somit Expertise und Fertigung unter ein Dach. Duraflex hat zehnmal so viel Mitarbeitende wie Fidlock. Gemeinsam wollen beide Unternehmen die Marke Fidlock zukunftssicher machen und nach dem Bereich Konsumgüter auch die Branche für Textilzubehör mit den cleveren Produkten bereichern.

www.fidlock.com

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