Heute schon gesnookt?

25. Februar 2022

Höchste Konzentration bei jedem Stoß: 21 Kugeln, davon 15 rote, gilt es einzulochen.

Die Heimat des Snooker-Sports in Hannover liegt am Lister Kirchweg. An acht Tischen im „Break Point“ versuchen die 84 Aktiven des 1. Deutscher Snooker Club Hannover e. V. (DSC) mit einem schmalen Holzstock Kugeln nach einem raffiniertem Regelsystem in insgesamt sechs Öffnungen eines fast vier Meter langen Tisches zu platzieren. Mit Erfolg: Aktive des ersten deutschen Snooker-Clubs überhaupt, gegründet 1985, belegten jüngst vordere Plätze bei Europa- und deutschen Meisterschaften. Grund genug für radius/30 im Breakers Point vorbei zu schauen.

Das Runde muss ins Eckige. Mit dieser lapidaren Fußballerweisheit sollte man einem Snooker-Virtuosen nicht kommen. Dabei trifft die Aussage für diese Variante des Billardsports grundsätzlich auch zu. Problem: Beim Snooker sind es ganz schön viele „Runde“, genau genommen 21 Kugeln, die in sechs irgendwie auch eckige Öffnungen, auch Taschen genannt, müssen. Auf die Frage, wie er seinen Sport einem Laien in zwei, drei Sätzen beschreiben würde, sagt der Vorsitzende des 1. Deutscher Snooker Club Hannover e. V. (DSC) nach langem Luftholen: „Grundsätzlich spielen zwei Spieler gegeneinander und es gilt, mit der weißen Kugel immer abwechselnd eine rote und eine farbige Kugel zu lochen. Eine rote Kugel zählt einen Punkt, für Gelb gibt es zwei Punkte, für Grün drei Punkte undsoweiter. Eine schwarze Kugel ist mit sieben Punkten am höchsten dotiert. Sie wird – wenn erfolgreich gelocht – wieder an einen definierten Ort gelegt.“ Wenn der Ballspielende nicht locht, kommt sein Konkurrent dran. 147 Punkte können erreicht werden. Vereinfacht gesagt: Wer den Tisch leer spielt, hat gewonnen.

Johann Schnitzler ist seit mehr als vier Jahren aktiv dabei. „Ich bin froh, wenn ich auf über 30 Punkte komme“, sagt der 1. Vorsitzende bei unserem Gespräch im „Break Point“, einem urigen Sportlokal am Lister Kirchweg mit acht Snooker- und fünf Billardtischen. Mit Leuchten in den Augen erzählt er vom legendären „Maximum Break“ des Snooker-Idols Ronnie O’Sullivan, der alle Kugeln in unfassbaren fünf Minuten und 8 Sekunden einputete. Maximal erfolgreich möchte auch der DSC, der erste deutsche Snooker-Club überhaupt – gegründet am 4. 1. 1985 – sein. Die deutsche Meisterschaft der 1. Herren (aktuell aktiv in der 2. Bundesliga) liegt zwar sechs Jahre zurück. Doch in jüngster Zeit gab es wiederholt Jubelmeldungen aus der List. Bei der Europameisterschaft in Portugal belegte Liza Giese aus Hannover mit dem Damen-Team den dritten Platz. Der 18-jährige Alexander Widau wurde kurz nach dem Gewinn der Deutschen U18-Jugendmeisterschaft auch deutscher Meister der Herren. Der gerade mal 12 Jahre alte Lennart Tomei wiederum sicherte sich die Bronzemedaille bei der deutschen Jugendmeisterschaft.

Bei unserem Besuch im Break Point steht Lennart Tomei zwei Tage nach der Meisterschaft schon wieder an dem 3,57 x 1,79-Meter großen 12-Fuß-Tisch. Er wechselt die Position, geht einmal um den Tisch und entscheidet schließlich, mit welcher Stoßrichtung er die rote Kugel in die mittlere linke Öffnung bugsieren will. Ein kurzer Stoß mit seinem Queue, tief gebeugt über der Platte – und die rote Kugel, touchiert von der weißen, findet ihr Ziel. Die weiße rollt derweil schön nah an die Stelle, an der schon die schwarze zum Einputen wartet. „Das ist das Schwierige am Spiel. Zum einen natürlich, die Kugel ins Loch zu bekommen. Zum anderen aber, die weiße Kugel so zu spielen, dass man auch die nächste Kugel lochen kann“, sagt Schnitzler. Was fasziniert ihn am meisten an diesem Sport? „Es ist ein filigraner und präziser Sport, bei dem es unglaublichen Spaß macht, sich zu entwickeln. Wer diesen Drive spürt, kommt nicht mehr von los“. Aktuell sind es über 84 Aktive im Alter von 8 bis 80, die von diesem Sport nicht mehr loskommen. Ein schöner Nebeneffekt des Sports: Jeder kann ihn spielen. Man kann es ambitioniert angehen und die Dynamik eines wohl gesetzten Queuestoßes immer und immer wieder trainieren. Es ist aber auch ein Sport, um dabei ins Gespräch zu kommen. Der Verzehr von Kaltgetränken in Wettbewerbspausen ist nicht verpönt, als „Kneipensport“ möchte Schnitzler Snooker aber nicht bezeichnen. „Dafür erfordert der Sport zu viel Konzentration“, sagt er. Wer es mal selber probieren will: das „Break Point“ ist täglich von 15 Uhr an geöffnet. Wer umsonst schnuppern will, hat dazu nach vorheriger Anmeldung dreimal die Möglichkeit. Dann sollte der Mitgliedsantrag unterschrieben werden. Der monatliche Vereinsbeitrag liegt bei 25 Euro. Wer einen Snooker-Tisch außerhalb des Vereins mieten will, kann dies natürlich auch tun. Der Preis pro Stunde liegt bei 8,50 Euro. Und wer weiß? Vielleicht ist ja ein Ausnahmetalent dabei, der mit ein wenig Training den seit 1997 geltenden Maximum Break-Rekord von O’Sullivan brechen kann? 

INFO

Deutscher Snooker Club Hannover e. V. (DSC)
Nicht-Vereinsmitglieder, die Snooker ausprobieren möchten, können sich unter erster-vorsitzender@dsc-hannover.de anmelden.

www.dsc-hannover.de

Text: Bernd Schwope