Kreativität ausleben im PLATZprojekt Hannover

29. Juni 2021

Ungenutzten Raum nutzen, junge Menschen fördern und Projektideen realisieren, das alles bietet das PLATZprojekt. In Schiffscontainern werden 35 unterschiedliche Projekte umgesetzt: von Bäckerei und Brauerei über Massage-Container und Ateliers bis hin zu Drogenberatung und Obdachlosenhilfe.

Die Entstehung des PLATZprojekts

Das PLATZprojekt entstand neben dem Skatepark „2er“ in Linden an der Fössestraße. Der bestand vornehmlich aus Betonplatten und einer Treppe mit zwei Stufen – daher der Name „2er“. „Die Jungs, die den Skatepark täglich nutzten, dachten sich damals: Was können wir aus dieser Fläche und dem gemeinsamen Hobby noch machen?“, erzählt Florian Lenz, der seit einem Jahr im Vorstand des PLATZprojekts mitarbeitet. Schließlich kam die Idee auf, Platz dahingehend zu nutzen, dass sich Ideen, Projekte und Menschen frei entfalten können. „Dafür wurde das Nachbargelände in Beschlag genommen, welches genauso brach lag wie der Skatepark zuvor.“

Es wurden zu Beginn zwei Schiffscontainer auf den innerstädtischen freien Raum gestellt, der von nun an als kreativer Spielplatz zur Verfügung stand. Mit der Zeit kamen immer mehr Überseecontainer dazu, die Raum für die Entwicklung neuer Projekte schafften. „Die grundsätzliche Idee der Gründungsväter und -mütter war es, dass ein bis zwei Personen pro Container dort ihre Projekte verwirklichen können.“ Anfang 2014 ging das PLATZprojekt an den Start. Förderungen erhält das Projekt von der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen. 

„Zu Beginn haben wir fast alle Projekte angenommen“, berichtet Florian. Heute geht mindestens einmal die Woche eine E-Mail mit einer Projektidee beim PLATZprojekt ein. Von den Vorschlägen werden ca. 70% aufgenommen. „Wir versuchen so offen wie möglich zu sein, aber wenn Projekte unserer grundsätzlichen Offenheit widersprechen, geht das natürlich nicht.“ Die Bewerbung um einen Container findet online statt. Dort müssen Fragen beantwortet werden, mit denen die Projektidee vorgestellt wird. „Intern stellen wir die Projektidee in unser Forum und es wird abgestimmt, ob es ein sinnvolles Projekt ist oder ob das Konzept einfach nicht passt“, erklärt Florian. Wenn es dann passt, werden ein oder zwei Paten auserkoren, die das Projekt auf seinem Weg begleiten und unterstützen. Das PLATZprojekt bemüht sich, die Einstiegshürde seinerseits so gering wie möglich zu halten. „Unser Ziel ist es, die Projekte so schnell wie möglich auf den Platz zu bekommen und arbeitsfähig zu machen.“ 

Das PLATZprojekt ist vornehmlich ein Ort des Ausprobierens. Trotzdem müssen bestimmte Regeln befolgt werden. „Ab und zu kommt dann auch mal das Bauamt vorbei. Die lassen uns zwar die meiste Zeit in Ruhe, aber so gewisse Dinge wie Brandschutz sind einfach notwendig“, erzählt Florian. Die Projekte müssen sich ebenso an Regeln halten: „Zu einem erfolgreichen Projekt gehört eben auch ein Finanzplan.“

Minimalismus und Nachhaltigkeit im Tinyhouse

Florian selbst besitzt ein Tinyhouse auf dem Platz, das er vor zwei Jahren von einem Bekannten übernahm. „Dort übernachten Menschen aus ganz Europa“, berichtet Florian. Das Tinyhouse ist ausgestattet mit einer Outdoor-Küche, einer Dachterrasse und einem kleinen Schlaf- und Wohnbereich. Minimalismus und Nachhaltigkeit sind Florian besonders wichtig. Deswegen besitzt das Tinyhouse eine eigene Solaranlage, sodass ein Großteil des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Die Werk- und Baustoffe, mit denen der Schiffscontainer zum Tinyhouse verwandelt wurde, sind auf Ressourcenverbrauch sowie Klima- und Umweltschutz getestet.

Florian ist fast täglich auf dem PLATZ und zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird, auch wenn er selbst kein Profi ist. „Ich habe dann auch bei Sachen mitgeholfen, wovon ich gar keine Ahnung hatte, aber Bock hatte sie zu lernen“, erzählt Florian. So wird innerhalb von drei Wochen eine Brachfläche zu einer barrierefreien Terrasse betoniert. „Am Ende denkt man sich: Ey cool, mal wieder was gelernt, mal wieder was geschafft.“

Keine Großveranstaltungen beim PLATZprojekt während Corona

Bevor die Pandemie ausbrauch, bot das PLATZprojekt wöchentliche Workshops, Flohmärkte und Partys an. „Da waren jeden Tag 100 bis 200 Leute auf dem Platz und haben einfach eine gute Zeit gehabt“, schwärmt Florian. Die seit dem letzten Jahr geltenden Maßnahmen gegen Corona erschweren solche Großveranstaltungen maßgeblich. Doch das PLATZprojekt passte sich den neuen Umständen an und entwickelte Hygienekonzepte.

„Mit Bestuhlung, Abständen und eingeschränkten Besucherzahlen haben wir Konzerte veranstaltet.“ Auch Flohmärkte wurden mit einer Mindestanzahl an Besuchern wieder möglich gemacht. „Man merkt einfach, das PLATZprojekt ist ein offener Spielplatz für jung bis alt, dick und dünn, für Leute aus ganz Europa, die das Abfeiern“, sagt Florian.

Autorin: Felicia Holtkamp