KREATIVE KÖPFE UND KULTURELLE IDEENVIELFALT

6. Dezember 2018

Stellen Sie sich mal ein Leben ohne Musik, Filme oder Bücher vor. Geht nicht? Kein Wunder, denn kulturelle, kreative und musische Tätigkeiten sind ein enorm wichtiger Faktor sowohl für unsere Gesellschaft als auch für unsere Wirtschaft. Ohne gestalterisch affine Menschen und Unternehmen gäbe es keine kulturelle Bildung, künstlerische Vielfalt oder kreativen Prozesse.

Nach der Definition der Enquête-Kommission „Kultur in Deutschland“ zählen zur engeren Kultur- und Kreativwirtschaft elf Teilmärkte: Unter dem Begriff „Kulturwirtschaft“ werden Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt und Pressemarkt zusammengefasst. Unter den Begriff „Kreativbranchen“ fallen die beiden Teilmärkte Werbemarkt sowie Software- und Games-Industrie.

Drei Bereiche prägen die Teilmärkte: Freiberufler und Klein- bzw. Kleinstbetriebe, der öffentliche Sektor, der beispielsweise Museen, Theater und Orchester in öffentlicher Trägerschaft beinhaltet, und der zivilgesellschaftliche Sektor, zu dem unter anderem Kultur- und Kunstvereine sowie Stiftungen zählen. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium sieht neben der ökonomischen Bedeutung insbesondere auch das spezifische Innovationspotenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Kreativwirtschaft ist nicht nur Vorreiter im Einsatz neuartiger Methoden und Formen der Arbeitsgestaltung, sondern auch Innovationstreiber für andere Branchen und leistet aufgrund ihrer starken Innovationsorientierung einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Gesamtwirtschaft. Außerdem bedienen Kreativunternehmen sehr stark nicht technische Innovationen und erweitern damit das durch technische Fortschritte geprägte Innovationssystem. Laut des „Monitoringberichts Kultur- und Kreativwirtschaft 2018“, der jährlich von der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung veröffentlicht wird, zeichnen sich Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft insbesondere dadurch aus, dass sie einen Beitrag zur Wertschöpfungskette anderer Unternehmen leisten.

Und die Politik?
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu steigern, wurde von der Bundesregierung die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft ins Leben gerufen. Beteiligt sind u. a. das Auswärtige Amt, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Zusammenarbeit der Ministerien soll gewährleisten, dass sich die Zuständigkeiten einzelner Ressorts – zum Beispiel für Urheberrecht, Steuern oder soziale Sicherung – im Sinne der gemeinsamen Sache verbinden. Die Umsetzung der Initiative wird von den Bundesländern, den Verbänden und zahlreichen einzelnen Akteuren unterstützt.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Region Hannover
Die Kreativ- und Kulturwirtschaft gilt als eine der Leitbranchen in der Region Hannover, die von der Region Hannover und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft hannoverimpuls gezielt gefördert wird. Ein Schwerpunkt liegt mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien auf der Musikwirtschaft – zudem sind bedeutende Akteure wie die NDR Radiophilharmonie, Peppermint Park oder Sennheiser in der Region angesiedelt. Zahlreiche Projekte und Veranstaltungen im Rahmen der UNESCO City of Music unterstützen diese Entwicklung.

Im „Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft in Niedersachsen 2014“ steht erwartungsgemäß die Statistische Region Hannover mit rund 5.900 Unternehmen und einem Umsatz von 3 Milliarden Euro an der Spitze der regionalen Kultur- und Kreativwirtschaft. Damit werden hier 40 Prozent des landesweiten Umsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft erwirtschaftet. In landesweiter Betrachtung verfügt die Kultur- und Kreativwirtschaft der Region Hannover mit 24 Prozent der Unternehmen bzw. 31 Prozent am Umsatz der landesweiten Kultur- und Kreativwirtschaft über hohe Konzentrationswerte. Die Statistische Region Hannover erweist sich damit als Kulturwirtschaftsstandort des Landes Niedersachsen. Doch es gibt Luft nach oben, wie der Vergleich mit Stuttgart, Köln oder München, die eine ähnliche Zentralfunktion einnehmen wie Hannover, zeigt. Um den Stuttgarter Vergleichswert erreichen zu können, müsste die Landeshauptstadt Hannover weitere 200 Kultur- und Kreativunternehmen ansiedeln. Wollte die Landeshauptstadt Hannover die Werte von Köln oder München erreichen, müsste sie bereits weitere 1.000 neue Kultur- und Kreativunternehmen ansiedeln. Diese Zielmarke ist keineswegs unrealistisch, wenn man die besondere Struktur der Kölner und Münchner Standorte näher betrachtet. Gelingt es der Region Hannover weiter, Ankerunternehmen anzusiedeln, wird sie auch eine Sogwirkung für Künstler, Kulturproduzenten und Kreative erzeugen können.

Eine von hannoverimpuls in Auftrag gegebene PROGNOS Studie hat 2014 ergeben, dass in der Region seit 2011 viele neue sozialversicherungspflichtige Jobs in der Branche entstanden sind (plus 21 Prozent bis 2013). Zudem ist die Branche in Hannover im Bundesvergleich überdurchschnittlich gründungsaktiv, mittlerweile stammt jede vierte Gründung aus der Kreativwirtschaft. Unter den elf Teilmärkten stechen als größte Arbeitgeber vor allem die Software- und Games-Industrie (ca. 4.100 Beschäftigte), die Musikwirtschaft (3.550) sowie der Presse- und der Werbemarkt (3.000 bzw. 2.800) heraus. Im Vergleich zur gesamtdeutschen Kultur- und Kreativwirtschaft sind insbesondere die Musikwirtschaft, die Designwirtschaft, der Architekturmarkt und der Markt für Darstellende Künste überproportional vertreten und besonders wachstumsstark.

Seit August 2010 unterstützt hannoverimpuls mit dem kre|H|tiv Netzwerk Hannover e. V. gezielt die Vernetzung der kreativen Akteure in der Region Hannover. Mit heute über 350 Mitgliedern ist kre|H|tiv bundesweit das am schnellsten gewachsene und größte Branchennetzwerk seiner Art. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für die gesamte Branche und deren Wettbewerbsfähigkeit positiv zu beeinflussen sowie die Wahrnehmung der Region Hannover als herausragenden Kreativstandort mit unterschiedlichsten Projekten und Formaten zu verbessern. Außerdem bietet hannoverimpuls seit 2011 auf dem historischen Hanomag-Gelände in der HALLE 96 Büro- und Arbeitsflächen für kreative Unternehmen und Ideen. Angeboten werden die klassischen Leistungen eines Gründungszentrums sowie gemeinschaftlich nutzbare Infrastruktur. Damit haben Schaffende aus der Kultur- und Kreativwirtschaft die optimale Umgebung, sich zu entfalten, zu vernetzen und durchzustarten. Die Teilbranchen wirken hier interdisziplinär und repräsentieren Hannovers florierende Kreativszene.

Ein weiterer Coworking Space für Kreative ist Hafven, der wie schon seine Vorgängerprojekte Edelstall & Die Werke eine unabhängige privat finanzierte Unternehmung eines 10-köpfigen Gründerteams ist. Auf mehr als 2.000 Quadratmetern werden Büroarbeitsplätze, Besprechungs- und Workshopräume, ein FabLab, Holz- und Metallwerkstätten sowie ein eigenes Café vereint. Diesen offenen Raum nutzen aktuell über 800 Mitglieder, darunter Solo-Selbständige, Angestellte, Start-ups und Konzerne. Das Projekt versteht sich auch als Labor für Themen wie DIY, nachhaltige Selbstversorgung (Café), digitale Transformation, disruptive Technologien, dezentrale Organisations- und Produktionsformen, Arbeiten 4.0, Access-Economy, Startup-Kultur und Business Modell Innovationen. Werkstatt Basics, Bloody Beginners, Erstkontakt und Community Workshops sind nur einige der jährlich etwa 200 Gelegenheiten, Ideen zu teilen und Neues zu lernen.

In Anbetracht der besonderen ökonomischen Bedeutung des Software- und Games-Marktes in Niedersachsen und deren Relevanz im Blick auf die Industrie 4.0 spielt auch die Bedeutung der Games-Förderung durch die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH mit ihrem Sitz auf dem EXPO-Gelände eine wichtige Rolle. Seit 2011 fördert nordmedia als zentrale Medien-Fördereinrichtung für Niedersachsen und Bremen den Ausbau und die Entwicklung der Medienbranche im Bereich der Konzeptentwicklung, der Prototypenentwicklung, der Produktion und des Vertriebs in den beiden norddeutschen Bundesländern. Die Antragsteller sind fast ausschließlich junge Start-ups aus Niedersachsen, die sich in den ersten Jahren ihrer Firmengründung befinden. Damit unterstützt die Gamesförderung über die projektbezogene Förderung hinaus auch eine mittel- bis langfristige Marktetablierung der jungen Unternehmen in der Region.


Hier trifft sich die Kreativszene
Handgemacht, jeden 1. Sonntag im Monat, Kulturzentrum Faust
Designachten, 15. bis 16. Dezember 2018, Designhotel Wienecke
Deine eigenART, 24. März 2019, Pavillon
ZINNOBER, 31. August und 1. September 2019, Hannover
infa kreativ, 12. bis 14. Oktober 2019, Messegelände Hannover


Text: Susanne Bührer
Beitragsbild Stifte: © dimj – stock.adobe.com