Der MegaHub in Lehrte

11. Februar 2021

Mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen, das ist ökologisch und zeitgemäß und ein erklärtes Ziel der Bundesregierung. In Lehrte wurde am 15. Juni der MegaHub der Deutschen Bahn in Betrieb genommen, eine Umschlagstation für den Wechsel von Gütern zwischen Schiene und Straße. Lange Strecken legen die Güter auf dem Gleis zurück, für die kurzen Wege bis ans eigentliche Ziel werden sie auf Lkw verladen. Ortsbesuch beim Megaprojekt.

Westlich von Lehrte, 20 Kilometer östlich von Hannover, ist diesen Sommer ein Stück Zukunftslogistik in Betrieb genommen worden: der MegaHub der Deutschen Bahn. Die DB hat dort in zwei Jahren Bauzeit eine Schnellumschlaganlage errichtet, in der mit drei Hochleistungsportalkranen einzelne Container je nach Zielort auf andere Züge oder Lkw verteilt werden. Noch läuft der Betrieb auf Probe, pro Wochentag werden zwei Züge abgefertigt und die Ladung auf Lkw verladen. Bis Jahresende plant die DB an Sonntagen den Hochlaufbetrieb und den Umschlag Schiene-Schiene, das heißt, den Verladeprozess von einem Zug auf den anderen, aber ohne rangieren zu müssen.

Gewaltige Dimension: vor einem der drei Portalkrane fährt ein Güterzug vorbei. Vollautomatisch setzen die Greifer den Container zapfengenau vom Zug auf den Lkw.

Leise, aber nicht lautlos

Der Wind weht kräftig über die Feldmark. In der Sonne gleiten die drei riesigen Ladekrane wie überdimensionale Doppel-Torbögen langsam, aber kontinuierlich an den Gleisen des Güterbahnhofs entlang. Aus der Entfernung ist bei Rückenwind ein leises Tuten zu hören, ähnlich dem Warnsignal eines zurücksetzenden Müllautos. Das nicht berücksichtigt, ist es ein lautloses Spektakel, wie ein automatischer Ablauf eines riesigen Perpetuumsmobile. Schaut man von den Brücken östlich und westlich auf das Gelände herab, ist es schon deutlich lauter.

Zusätzlicher Güter- und Personenverkehr rauscht am Güterbahnhof vorbei und bremst, quietscht, zischt und knallt. Jeder der drei 20 Meter hohen Krane überspannt die sechs Schienenstränge des Güterbahnhofs in der Breite und steht auf vier Beinen. Zwei Beine fußen hintereinander auf einer eigenen Schiene, die parallel zu den Bahnschienen verläuft, sodass der Kran über jeden Zug im Güterbahnhof über die gesamte Länge hinweggleiten kann. Unter dem Kran hängen ein Greifer und eine Kabine für einen Kranführer. Der vierarmige Greifer löscht die Container von den Zügen wie im Hafen von einem Containerschiff. Durch die Längs- und Querbeweglichkeit kann er direkt über der Ladeeinheit stoppen, herunterfahren, sie aufnehmen und zum seitlich neben dem Gleis wartenden Lkw bringen. Leise tutend senkt er dort den Container auf die Ladefläche des Lkw. Fertig. Die Greifarme fahren wieder nach oben und setzen die nächste Ladeeinheit um. Und dieser Prozess geht noch schneller, denn das Herzstück des MegaHub ist eine vollautomatische Sortieranlage mit momentan zwölf selbstfahrenden, batteriebetriebenen Transportfahrzeugen. Bei Vollbetrieb mit Schiene-Schiene-Umschlag übernimmt ein solches Fahrzeug den Längstransport zum Anschlusszug. Erst dort wird der Container von einem zweiten Kran aufgenommen und wieder auf den Zug gesetzt. Dadurch wird der Kranbetrieb entlastet, die Güterzüge können effizienter ent- und beladen werden und es ist auch besonders leise.

Die schwarzgelben Greifer des Portalkrans fahren leer nach unten, um den nächsten Container aufzunehmen.

Riesige Dimension

Das eigene Auge erfasst die wirkliche Länge der Anlage gar nicht ganz, Züge von 720 Metern Länge können dort abgefertigt werden. Jeder der Transportkrane ist 20 Meter hoch. Noch sind es bloß drei, im vollen Ausbauzustand sollen sechs Krane dort höchsteffizient auch über Nacht Güter verladen. Besonders von den Brücken herab täuscht die Perspektive und zieht das Gelände optisch zusammen. Auch in der Seitenansicht wirkt der MegaHub nicht besonders groß, sondern verliert sich in der weiten Agrarlandschaft um Lehrte. Dieses mittelbare Umfeld könnte sich aber noch etwas verändern. Als zentraler Eisenbahnknoten laufen am Standort Lehrte Strecken aus Skandinavien, Polen und den Beneluxländern zusammen. Außerdem besteht unmittelbare Verbindung an das Straßen- und Autobahnnetz im Großraum Hannover. Ein Güterverkehrszentrum ist bereits in der Nähe angesiedelt, für die DB sind das gute Voraussetzungen für die Niederlassung weiterer Fracht- und Transportunternehmen rund um den MegaHub. Dennoch ist das Pilotprojekt des sogenannten kombinierten Verkehrs, in diesem Fall die Kombination von Straße und Schiene, in Lehrte kein Riese. Es gibt deutlich größere Umschlagbahnhöfe. Mega bedeutet in Lehrte: megaschnell, megamodern und megaeffektiv.

Text und Bilder: Carmen Eickhoff

Den vollständigen Artikel über den MegaHub Lehrte …

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