MOVIMENTOS

9. April 2018

Fotos v.o.n.u.: Neda Navaee, Andrej Uspensky, Peter Greig, Cindi Wicklung, Großes Bild: Marc-Oliver Schulz

Tanzaufführungen, Konzerte, Matineen, Soireen, Workshops, Szenische Lesungen, Schauspiel und Filmvorführungen – seit 2003 veranstaltet die Autostadt jedes Frühjahr die Movimentos Festwochen. Ein im wahrsten Sinn des Wortes bewegendes Kultur- und Tanzfestival.

Zentraler Veranstaltungsort ist das denkmalgeschützte Heizkraftwerk am Hafenbecken gegenüber der Autostadt. Die Gäste überqueren das Hafenbecken über eine extra für diesen Zweck installierte Schwimmbrücke und flanieren in dem alten Industriebau zwischen Turbinen und Kesselanlagen – eine einmalige Kulisse auch für die Tanzcompanies, die aus aller Welt anreisen.

Fließende und schwebende Bewegungen durch den Raum bei vollendeter Körperbeherrschung machen die Sydney Dance Company unverwechselbar. Foto: Peter Greig

Doch das alte Heizkraftwerk ist nicht der einzige Spielort: Mit einer Vielzahl an Veranstaltungen an verschiedenen Spielorten bewegen die Movimentos Festwochen die gesamte Region. Insgesamt 50 Veranstaltungen werden in der Zeit vom 4. April bis 6. Mai aufgeführt. Sie alle stehen unter der Überschrift „Würde“.

Das Ballet BC zeigt die Choreografie „16+ a room“ von Emily Molnar. Foto: Chris Randle

Im Zeichen der Würde

Schon immer wurden die Movimentos Festwochen von Leitmotiven wie Tugenden und Werten geprägt. Heimat hieß das erste Thema 2009, es folgten neben anderen Respekt, Demut, Glück, Liebe und schließlich im vergangenen Jahr: Freiheit. Die Frage, mit welchem Thema der Veranstalter, die Autostadt Wolfsburg, diesem Ideal nachfolgen kann, war schwierig. Nicht ein noch größerer Begriff musste zwingend auf dieses höchste Gut folgen. Aber warum nicht eine Kategorie, die als Fundament unseres Zusammenlebens im ersten Artikel des Grundgesetzes verankert ist?

Von der Apokalypse des Johannes bis zur klassischen Feier der Menschenwürde in Schillers Balladen befasst sich das Wortprogramm mit dem Festwochen-Thema. In seiner jüngsten „Autobiography“ entschlüsselt Wayne McGregor in einer choreografischen Versuchsanordnung die Würde als DNA des menschlichen Seins. Lin Hwai-min und sein Cloud Gate Dance Theatre formulieren mit dem Zerfall der Worte und der Sprache den Verlust eines würdigen Seins, während Ina Christel Johannessen dazu aufruft, die Würde der Schöpfung zu wahren. Jugendliche und junge Erwachsene erarbeiten tänzerisch in der Movimentos Akademie ihren Zugang zum Thema.

Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, Choreografie „Über die Insel – Formosa“. Foto: Chen-hsiang Liu

Gregory Porter

Gregory Porters Musik erzählt mit Witz und Charme vom wirklichen Leben und William Youn zeigt uns auf seine ganz persönliche Weise die Modernität von Mozart und Schubert. In einem öffentlichen Podiumsgespräch  soll der Frage nach dem Wert der Menschenwürde und ihren Herausforderungen in der Gegenwart nachgegangen werden. Denn: Die Würde zu achten und zu schützen ist nicht nur Verpflichtung aller staatlichen Gewalt – sondern unser aller Aufgabe.
www.movimentos.de

Text: Susanne Bührer