Netzwerke: das Hohelied des menschlichen Miteinanders

23. September 2021

Humanoiden haben sich immer schon zusammengerottet, weil es kalt war, weil die Jagd auf große Tiere erfolgreicher und die Chance auf Fortpflanzung größer war.

Es entstanden im Laufe der Generationen positive Verbünde: Rotes Kreuz, Amnesty International, Unicef, Thekenmannschaften. Auch schattige Zusammenschlüsse fügten sich: Nazis, Mafia, Ballermann. Vergessen wir nicht die nachbarschaftlichen Vereinigungen wie Sportvereine, Landfrauen, Kleingärtner. Es gibt wirtschaftliche Kooperationen wie die Hanse, Kammern und Verbände, Werbegemeinschaften, Genossenschaften und eine Vielzahl von anderen Interessengruppen.

NÄHE UND DISTANZ

Netzwerke sind Systeme, die über diverse Mechanismen und einen Grad der Organisation verfügen. Weiterhin verknüpfen sie die einzelnen Elemente mit verschiedenen Verbindungen. Und da haben wir schon die Probleme entlarvt. Als Beispiel die Nähe und Distanz: „Die Stachelschweine“ ist eine Parabel von Arthur Schopenhauer. An einem kalten Tag sucht eine Gruppe Stachelschweine gemeinsam nach Wärme. Ach, sich gegenseitig zu wärmen, scheint ein gute Idee zu sein. Doch je näher sie aneinanderrücken, desto stärker schmerzen die Stacheln der Nachbarn. Da aber das Entfernen wieder mit Frieren verbunden ist, verändern sie ihren Abstand, bis sie die erträgliche Entfernung gefunden haben.

Das Bedürfnis nach Solidarität und Gemeinschaft lässt uns die Nähe unserer Mitmenschen suchen. Gleichzeitig werden wir aber von schlechten Charaktereigenschaften, Kungeleien, Machtgehabe und vielem Anderem mehr oder weniger abgestoßen. Also wie Verknüpfungen gestalten? Befehl und Gehorsam, gemeinsame Ideale, Zufall, langfristig oder rotierend, zentral oder regional, ein Herrscher oder der Senat? Das sind Fragestellungen, die wesentlich die Überlebensfähigkeit von Netzwerken sichern. Dabei geht es nicht um „entweder“ und „oder“, das eine oder andere Extrem, sondern um Klarheit und interne Kommunikation.

Die Parallelen zur Informationstechnologie sind frappierend: Nehmen wir das Internet – unkaputtbar und gleichzeitig nicht zu kontrollieren. Beim Firmennetzwerk zieht der Admin den Stecker und alles ist aus. Aber ich schweife ab. Wenden wir uns der kleinsten Einheit, dem Individuum, zu. Versuchen wir eine Wäscheleine mit einem Bindfaden zu verknoten. Das rutscht immer wieder auseinander. Scheint, als ob die Knotentechnik entscheidend damit zu tun hat, ob sich Menschen verstehen und an einem gemeinsamen Strang ziehen.

LEARNING 1

Die Mechanismen oder Knoten entscheiden über die Halt- und Belastbarkeit des Netzwerkes. Wir kennen das bei Schnürsenkeln – sie reißen an den Löchern, weil sie da besonders gerieben werden.

LEARNING 2

Ein Netzwerk ist nur so belastbar, wie der schwächste seiner Knoten. Wenn beim Tischkickern der Torwart hölzern spielt, kann das Match schwerlich gewonnen werden. Manchmal muss man auch Knoten lösen, um Netzwerke zu retten. Aber genug der Knotenlehre, bevor wir uns verheddern. Wir reden ja hier von Menschen!

Schwierigkeiten oder Konflikte sind Probleme mit Emotionen. Emotionen wiederum sind Botschafter von Bedürfnissen. Diese bündeln sich in drei Kategorien:
– Sicherheit
– Zusammengehörigkeit
– Wachstum

Meine These lautet, dass ein Netzwerk „gut“ funktioniert, wenn alle auftretenden Bedürfnisse ausreichend befüllt werden.
– Sicherheit beinhaltet, dass es klare Regeln und vorgegebene Verhaltensmuster gibt, schon im Text erwähnt als Mechanismen.
– Zusammengehörigkeit beinhaltet Geborgenheit und „Füreinandereinstehen“ bis hin zu gemeinsam Feste feiern und dieselben Symbole an der Jacke tragen.
– Wachstum beinhaltet die Entwicklung und die Ausbreitung der gemeinsamen Ideen, größeren Radius und mehr Einfluss.

ZUSAMMENGEHÖRIGKEIT VERLEIHT STABILITÄT

Hauptaufgabe der Netzwerkmacher ist also, Sorge für den notwendigen Füllstand zu tragen – als Basis und durch regelmäßige Wartung der gemeinschaftlichen Grundlagen. Vision ist dabei ein wesentlicher Bestandteil, da dies die drei Bedürfnisse unter einem Dach vereinigt. Bitte nicht dem Trugschluss erliegen, dass damit Tradition und Brauchtum, Riten und Auszeichnungen obsolet wären – sie dienen dem Bedürfnis der Zusammengehörigkeit, was einem Netzwerk größtmögliche Stabilität verleiht.

Aus dem bisher Angeführten ergibt sich eine wichtige Erkenntnis für den Einzelnen: Mit dem Eintritt in ein Netzwerk akzeptiere ich zwei grundlegende Dinge. Erstens: mein Engagement zu tätigen, also Mitmachen, das Einbringen meiner Qualitäten in das Netz bei – zweitens – gleichzeitiger Aufgabe meiner 100-prozentigen Selbstbestimmung.

Deshalb wähle man sorgsam, welchem Netzwerk man sich anschließt. Nicht umsonst gibt es Probezeiten, um sich durch Alltag der gemeinsamen Idee würdig zu zeigen. Beim Magischen Zirkel Deutschland e. V. sind Sie ein ganzes Jahr lang Zauberlehrling und da werden in Ihrer Anwesenheit noch keine Kunststücke verraten – zumindest, wenn Harry Potter im Raum ist.

Folgender Fragenkatalog als Checkliste, ob ein Netzwerk zu Ihnen passt:
– Stimmen die Ziele der Gemeinschaft mit Ihren Zielen überein?
– Stimmen die Wertvorstellungen der Gemeinschaft mit Ihren Werten überein?
– Sind Sie bereit für Invest von Zeit, Geld, Geduld, Toleranz usw.?
– Sind Ihnen die Menschen in dem Netzwerk sympathisch?
– Besteht eine Durchlässigkeit der Mitgestaltung und Aufstiegsmöglichkeiten?
– Trennt sich die Gemeinschaft von „faulen Früchten“?

Nur wenn Sie alle diese Fragen mit Ja beantworten können, sollten Sie sich verknoten. Ansonsten ist es ein Hobby, bei dem alle mitspielen können und nichts wirklich Effektives dabei rumkommt. Ihre Entscheidung!

ZUR PERSON

Christoph Maria Michalski ist seit 2010 Selbst-Unternehmer und als Konfliktnavigator aktiv. Als Ex-Geschäftsführer eines Bildungsträgers mit über 700 Mitarbeitenden hat er von Expansion bis GmbH-Löschung (fast) alles mitgemacht – jedes graue Haar eine Erfahrung! Aus diesen Erlebnissen hat er die Begriffe Konfliktuencer und KommunikationsSanierer geprägt.

Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen um die Entstehung und das richtige Handhaben von Konflikten. Dabei verbindet er in seinen Lösungsvorschlägen kreative Ansätze mit methodischer Vielfalt und technischer Präzision. Sein Wissen zum Thema Konflikte und Konfliktlösung gibt er in seinen Büchern, Vorträgen oder direkt vor Ort in Unternehmen weiter.

www.christoph-michalski.de

Text: Christoph Maria Michalski

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