Pianistin Patricia Hase: „Klavierspielen ist meine Art zu sprechen“

01. Februar 2021 / Magazin

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Bild: Florian Lempke

Patricia Hase, 31, studierte Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover (HMTMH) und war anschließend als Konzertpianistin tätig. Vor drei Jahren gründete sie die Klavierschule „Klavierkinder“ in Hannover. Inzwischen hat sich das von Patricia Hase entwickelte Lernkonzept in 18 Städten in Deutschland etabliert. Daneben hat sie zwei Kinderbücher mit der Hauptfigur Fräulein Bella geschrieben, in denen es um Musik und die Verbindung zwischen Musik und Sport geht.

radius/30: Frau Hase, wann haben Sie Ihre Liebe zum Klavierspielen entdeckt?

Patricia Hase: Es ist eine etwas andere Geschichte als die der meisten meiner Kollegen – ich hatte schon lange einmal in der Woche Klavierunterricht an der Musikschule, habe aber erst kurz vor meinem 18. Lebensjahr richtig angefangen.

Wie kam es dazu?

Mein Klavierlehrer meinte zu mir: „Du kannst Pianistin werden, aber dann musst Du Dich jetzt ranhalten.“ Er hat mir eine Woche Zeit gegeben, darüber nachzudenken. Ich habe daraufhin das Telefonbuch gegriffen und mir eine Kinder- und Jugendpsychologin herausgesucht, weil ich wissen wollte, ob ich diese Entscheidung treffen soll, ich war mir unsicher. Sie schaute mich nur an und sagte: „Sie haben die Entscheidung bereits getroffen!“ Da war es dann klar.

Sie standen kurz vor dem Abitur, als Sie sich entschieden, Klavier zu studieren. Wie haben Sie diese beiden Herausforderungen gemeistert?

Ich bin zu meinem Vater gegangen und habe ihm gesagt, dass ich Pianistin werden will. Er hat zugestimmt unter der Bedingung, dass ich erst mein Abitur mache. Dann habe ich mit dem Direktor der Privatschule gesprochen, auf die ich ging, und er hat erlaubt, dass ich wechselweise Klavier übe und am Unterricht teilnehme. Ich konnte in der Schule üben, das war eine großartige Unterstützung. Ich habe dann Tag und Nacht geübt.

„Es sind vor allem die stillen Momente, die mich faszinieren“


Was fasziniert Sie am Klavierspielen besonders?

Es ist meine Art zu sprechen, ich kann damit so viel mehr sagen als mit Worten. Dabei sind es vor allem die stillen Momente, die mich faszinieren.

Patricia Hase mit Klavierkind Emmi. Bild: privat.

Was war Ihr beeindruckendstes Erlebnis auf der Bühne?

Das war das Stück 4´33 von John Cage. Da passiert nämlich vier Minuten und 33 Sekunden gar nichts. Ich hatte ein riesiges Notenblatt vor mir und mir den Wecker gestellt. Und das war eine Grenzerfahrung, diese Stille auszuhalten und zu beobachten, wie das Publikum reagiert. Das war eine totale Fokussierung, ich habe es sehr genossen. Einige im Publikum konnten damit gar nichts anfangen und einer – so hörte ich hinterher – musste raus und sich übergeben, weil er die Stille nicht ertrug. 2017 habe ich ganz bewusst mein letztes Konzert in meiner Heimatstadt Wiesbaden mit Lieblingswerken von Schubert und Beethoven gegeben, das war nochmal eine besondere Erfahrung.

„Kinder wollen lernen.“


Im selben Jahr haben Sie die Klavierkinder ins Leben gerufen. Wie entstand diese Idee eines eigenen Lernkonzeptes für Klavierschüler?

Ich habe schon sehr früh damit begonnen, Unterricht zu geben, und mich viel mit der Lernentwicklung bei Kindern beschäftigt. Daraus und aus meiner eigenen Erfahrung entstand meine Unterrichtsphilosophie. Sie beruht darauf, dass Kinder lernen wollen und es wichtig ist, ihnen ihre ureigene Motivation zu vermitteln. Einerseits wird die Kreativität gefördert, andererseits Struktur vermittelt, also das Notenlesen, Rhythmik und alle anderen Grundlagen des Klavierspielens. Ganz entscheidend ist für mich, jedes Kind in seiner Lebensphase abzuholen und mit ihm gemeinsam zu schauen, wie es am besten lernen kann.

Interview: Sonja Steiner

Das vollständige Interview mit Patricia Hase …

… lesen Sie in unserer aktuellen radius/30 Winterausgabe. Darin unter anderem die Antworten auf die Fragen, wie die Klavierkinder im Lockdown lernen und wie viel Zeit Patricia Hase zum Unterrichten noch bleibt.

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