Saisonauftakt – ein Stattreisen-Bericht

3. April 2017

Stattreisen eröffnet die Saison in der City Hannover (Bild: Hermann Fleischer).

Christine Lemke kommt aus Seelze und ist erstmals beim Saisonauftakt von Stattreisen dabei. Sie genießt die verschiedenen Stationen mit Auszügen aus dem aktuellen Programm von Stattreisen. „Ich wusste nicht“, sagt sie, „dass es in Hannover in der Georgspassage in den 20er-Jahren ein automatisches Restaurant gab, in dem man für 19 Pfennig das Bier selbst zapfen und ein belegtes Brötchen aus dem Automaten ziehen konnte. Oder dass Wilhelm Busch gar nicht gut auf Richard Wagner zu sprechen war, obgleich er Opernmusik mochte und sogar selbst einmal eine ‚Kneipenoper‘ geschrieben und gesungen hatte.“ Solche Aha-Effekte sind von Stattreisen-Mitarbeitern erwünscht, die am Sonntag entlang der Georgstraße Ausschnitte aus ihrem Programm präsentierten: „Wir wollen das Interesse an der Stadtgeschichte von Hannover wecken, Unbekanntes vermitteln und auf Spuren hinweisen, die bis ins Mittelalter zurückgehen“, sagt Barbara Schlunk-Wöhler, die den Saisonauftakt am Sonntag, dem 2.4., am Steintor/Gänselieselbrunnen eröffnete.

Georgstraße als beliebter Treffpunkt

Wie bei einem Staffellauf gab es an zehn Stationen (Gänselieselbrunnen, Drachentöterhaus, Schillerdenkmal, Kröpcke-Uhr, Blätterbrunnen, Oper, Leibnizkopf, Georgsplatz, Potthof, Aegidienkirche) kleine Übergänge zum nächsten Programmpunkt. Klaus Scheuer, der über das Automatenrestaurant und die künstliche Welt voller kleiner Wunder berichtete, leitete geschickt zum Schillerdenkmal über, das 1863 in Hannover aufgestellt wurde. Barbara Fleischer, Stattführerin und ehrenamtliches Mitglied im Vorstand, berichtete über den Künstler Wilhelm Engelhard, der viele Denkmäler und Skulpturen in Hannover schuf und die Marienburg ausgestaltete. Von ihm stammt beispielsweise auch die Sitzstatue von Kurfürstin Sophie in Herrenhausen.

Stattreisenführerin Margrit Jipp (Bild: Stattreisen)

In den 20er-Jahren war die Georgstraße eine Prachtstraße, in der sich viele an der Kröpcke-Uhr verabredeten. „Die Kröpcke-Uhr“, sagt Stattreisenführerin Margrit Jipp, „ist eine Kopie von 1885 und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Wunsch vieler Bürger wieder aufgebaut. Hier trafen sich in den 20er-Jahren Künstler (Kurt Schwitters), Dichter (Joachim Ringelnatz), Philosophen, Schriftsteller (Erich Maria Remarque) und Journalisten und tranken ihren Kaffee im Café Robby, heute Café Kröpcke.

 

Heiteres und Nachdenkliches

Der Saisonauftakt präsentierte Heiteres und Amüsantes, wie beispielsweise den „Alte Liebe Song“ aus der Hannover-Revue, den die Darsteller, nachdem sie Anekdoten zur Fußballgeschichte darboten, lauthals sangen und Hannover-96-Schals schwenkten. Aber auch Ernstes und Nachdenkliches wurde nicht ausgespart, wie beispielsweise beim Nachtwächter Melchior, der an der Aegidienkirche die Geschichte über Cord Borgentrick erzählte, der die Schließung der Stadtmauern verpasste und in einer Kapelle nächtigen musste. Dort wurde er vom Klimpern der Waffen wach und konnte die Stadt Hannover rechtzeitig vor einer Übernahme durch Herzog Heinrich, dem Älteren, bewahren.

Nachtwächter Melchior (Bild: Stattreisen)

„96 – Alte Liebe…“ (Bild: Stattreisen)

 

 

 

 

 

 

Gertrud Wilhelms, mit 87 Jahren die älteste Teilnehmerin beim Saisonauftakt, ist sehr zufrieden, dass sie bei der Saisoneröffnung dabei war und immer noch etwas hinzulernen konnte.

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