
Text: Carmen Eickhoff
Anfang des Jahres teilte der Bundestag vier Kommunen in der Region Hannover mehr als zwei Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten zu. Ein überraschender Geld-Segen, über den sich viele Gemeinden gefreut hätten. Was es mit der ersten Tranche der sogenannten „Sportmilliarde“ zur Sanierung von Sportstätten auf sich hat und welche Projekte profitieren, erklärt Carmen Eickhoff.
Freude und Aufregung waren Ende letzten Jahres groß, als kommunale Verwaltungen zusammen mit örtlichen Sportvereinen in der Region Hannover aufgerufen waren, Zuschussanträge beim Bund einzureichen. Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ soll Kommunen in ganz Deutschland bei der Sanierung ihrer Sportinfrastruktur unterstützen und den Sanierungsstau reduzieren.
Nachfrage übersteigt Angebot
Einzureichen waren der genaue Projektbedarf und die künftigen Nutzungsmöglichkeiten. Stadt- und Gemeinderäte mussten eilig über die vermeintlich aussichtsreichsten Projekte beraten und die kommunalen Verwaltungen stellvertretend die Unterlagen im Januar einreichen. Bereits im April kamen die Zusagen für die ausgewählten Projekte sowie auch die Absagen für Anfragen, die noch nicht berücksichtigt werden konnten. Das zur Verfügung gestellte erste Drittel der „Sportmilliarde“ von 333 Millionen wurde mehr als zwanzigfach überzeichnet, über 3.600 Anträge wurden von Sylt bis Berchtesgaden eingereicht.
Vier Vereine in Hannover profitieren
314 Projekte wurden in der ersten Runde bundesweit ausgewählt. Vier Kommunen dürfen sich in der Region Hannover über einen Zuschuss freuen: Bewilligt wurden Mittel für den Ersatzneubau des Vereinsgebäudes des SC Germania List von 1900 mit 1,2 Millionen Euro, etwa je eine halbe Million Euro gehen an Projekte in Isernhagen, Barsinghausen und Lehrte.
Tropfen auf den heißen Stein
Mit Zuschuss saniert es sich tatkräftiger als ohne, doch mehr als die Hälfte der Projektkosten sind noch vom Verein oder der Kommune selbst zu finanzieren.
Aus dem Rathaus in Hannover, welches mit 1,2 Mio. Euro den größten Zuschuss in der Region für den Ersatzneubau des Vereinshauses des SC Germania List erhält, heißt es: „Selbstverständlich freuen wir uns über jeden Euro, mit dem der Bund uns unterstützt. Angesichts des Investitionsstaus bei den hannoverschen Sportstätten ist die Förderung allerdings lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein.“
Auch in Lehrte, wohin 480.000 Euro für die Sanierung der Sportanlage des TSG Ahlten fließen, geht die Verwaltung davon aus, dass die Förderung „keinen Einfluss auf Art und Umfang der Sanierung“ weiterer Sportstätten haben wird. Die Planung in Ahlten ist aktuell noch nicht bis zur Skizzenreife fortgeschritten, trotzdem schätzt die Verwaltung, dass aufgrund der Eilbedürftigkeit die Instandsetzung auch ohne Fördermittel des Bundes gleich schnell begonnen und umgesetzt worden wäre.
Aufwertung statt Sanierung in Barsinghausen
Etwas anders sieht es in Barsinghausen aus, ohne den Zuschuss würde hier die geplante Aufwertung nicht umgesetzt werden. 575.000 Euro gehen in Sanierung, Modernisierung und digitale Vernetzung des Rewe Sportparks. Der Komplex aus Fußball- und Tennisplätzen mehrerer Vereine mit kleiner Mehrzweckhalle und Kindergarten befindet sich direkt am Waldrand. Sportdezernent Robert Engelmann erklärt: „Dieses Projekt ist als Zusatzmöglichkeit zu verstehen und wäre ohne die Mittel des Bundes nicht zustande gekommen. Der Standort hätte bei einer Ablehnung der Fördermittel keine andere Funktion wahrgenommen und wäre in dieser Form weitergeführt worden.“
Millionen summieren sich
Um die kommunalen Dilemmata an einer Gemeinde zu verdeutlichen: In Barsinghausen, bestehend aus 18 Ortsteilen, stehen unter anderem ein zentraler Schwimmbadneubau für 50 Mio. Euro an, die Sanierung des dezentralen Freibades mit rund 10 Mio. sowie Modernisierungen von Sporthallen an den zwei weiterführenden und sieben Grundschulen in zweistelliger Millionenhöhe. Die Anlagen sind mindestens fünfzig Jahre alt, im Verwaltungsjargon „abgängig“ und auch weder barrierearm noch energiesparend.
Wer muss investieren?
Turnhallen, Schwimmbäder und Sportplätze befinden sich in Deutschland überwiegend in kommunaler Hand und werden von Vereinen zur Nutzung angemietet. Gehört die Anlage einem Verein oder vergleichbaren Trägern, besteht in der Regel eine Zuschuss-Vereinbarung mit der Kommune. Diese Art Sportanlagen zählen zur Daseinsvorsorge für die Bevölkerung und werden primär für Sportunterricht und Breitensport genutzt.
Kommunen tun sich gemeinhin schwer mit Investitionen, die keinen absehbaren Gewinn generieren. Von dieser Seite wird möglichst lange mit der Instandhaltung gewartet. Vereine bieten ihren Mitgliedern den Vereinszweck, die Ausübung des jeweiligen Sportangebots historisch gewachsen über meist geringe Nutzungsentgelte an. So können sich viele Menschen die Teilhabe leisten, nach Jahrzehnten der Nutzung ist das Problem der fehlenden laufenden Investition in die Anlagen aber nicht mehr zu übersehen.
Zuschlag für Neuwarmbüchen
In Isernhagen bekam die Sanierung der Sporthalle Neuwarmbüchen den Zuschlag, ihre Instandsetzung wird mit 654.000 Euro gefördert. Anschließend sollen Hallendach, Hallenboden und die Hallenheizung modernisiert sein. Als Eigenleistung veranschlagt die Gemeinde 750.000 Euro. „Die Förderzusage schafft für die Gemeinde Isernhagen wichtigen finanziellen Spielraum und stärkt die Möglichkeiten, weitere Investitionen in die kommunale Sportinfrastruktur voranzubringen“, heißt es aus dem Rathaus. Unabhängig davon verfolge die Gemeinde ohnehin das Ziel, ihre Sportstätten bedarfsgerecht zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Fördermittel des Bundes leisteten einen wichtigen Beitrag, kommunale Investitionen wirtschaftlich und nachhaltig umzusetzen.
Schwimmbäder in der zweiten Tranche
Gemein ist allen vier „Gewinnergemeinden“, dass sie weitere Anträge gestellt hatten, unter anderem auch für ihre Schwimmbäder. So hatte Isernhagen neben einer weiteren Sporthalle in Kirchhorst auch das Schwimmbad Altwarmbüchen aufgerufen, denn Bäder waren auch in der ersten Tranche förderfähig. Bundesweit wurden 22 Bäder ausgewählt, doch der Bedarf ist viel größer. Daher wurde vom Bund ein separates Schwimmbad-Paket geschnürt, für das sich Kommunen bis Mitte Juni bewerben konnten. Unterstützt wird die Steigerung der Energieeffizienz sowie der Abbau baulicher Barrieren. Auch hier werden die Zusagen wieder zeitnah durch den Haushaltsausschuss des Bundestages erfolgen.
Insgesamt ist die Dauer des verhältnismäßig schnell umgesetzten Förderprogramms bis 2029 angesetzt, die Bedingungen werden jeweils zum Ausschreibungsstart bekannt gegeben.