„DAS IST EIN REINES HOBBY“

8. November 2017

Im April 2018 entsteht in Ramlingen/Ehlershausen das erste Weinanbaugebiet der Region.
Biolandwirt Gerald Meller und sein Geschäftspartner Matthias Färber haben dafür nun vom
Bundeslandwirtschaftsministerium die Genehmigung erhalten.

Auf die Frage, warum ausgerechnet in der norddeutschen Tiefebene – einem klassischen Spargelanbaugebiet –
der Weinanbau Sinn macht, antwortet Matthias Färber: „Das hat entscheidend mit der Klimaerwärmung zu tun.
Vor 30 Jahren wäre dies unvorstellbar gewesen. Heute ist gerade das Abreifen der Trauben in den klassischen
Weinbaugebieten ein Riesenproblem. Durch die steigenden Temperaturen verkürzt sich die Reifezeit, das Lesegut
kommt unreif rein. Deswegen ist unter den jetzigen Bedingungen auch bei uns trotz nur 1,5 % Hanglage am
Allerberg der Weinanbau möglich.“

Im April 2018 soll es mit der Pflanzung losgehen. Färber hatte vor zwei Jahren davon erfahren, dass die EU den Anbaustopp für Wein abseits der klassischen Anbaugebiete aufhebt. Der gelernte Winzer und studierte Agraringenieur kam bei einem Gespräch mit seinem Jagdfreund, dem Biolandwirt Gerald Meller, auf die Idee, sich für eine Anbaufläche zu bewerben. Mit Erfolg. Das Bundeslandwirtschaftsministerium bewilligte den beiden neben neun anderen Winzern in Niedersachsen den Anbau. „Wir bestellen eine Fläche von etwa einem halben Hektar“,
erklärt Färber. „In vier Jahren können wir keltern und erwarten einen Ertrag von ungefähr 4.000 bis 4.500 Liter.“ Angebaut werden sollen auf dem sandigen Kartoffel- und Spargelboden sogenannte „Piwis“, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, darunter auch unbekanntere Sorten wie Cabernet Noir. Zu zwei Dritteln stehen weiße Rebsorten auf dem Anbauplan. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass entlang der Burgdorfer Spargelstraße bevorzugt Weißwein getrunken wird. 30.000 Euro wollen Färber und Meller in die nach streng biologischen Grundsätzen gepflanzte Weinanbauanlage investieren – etwa für Reben, Pfähle, Drähte, Pflanzen. „Geld verdienen lässt sich mit dem Projekt nicht, das ist ein reines Hobby“, verrät Färber. Er vertraut dabei auf die „tolle Dorfgemeinschaft“, die bei Anbau und Ernte helfen will. Und sich wie die beiden Weinliebhaber Färber und Meller schon auf das Endprodukt freut.

Text: Bernd Schwope
Foto: momosu | pixelio.de