The High Fives: Als Band in Corona-Zeiten

11. Juni 2020

Die Band The High Fives © The High Fives Website

Konzerte, Feiern und Events müssen Corona-bedingt ausfallen. Das trifft besonders freischaffende Künstler und Selbstständige. Doch was tun, wenn einem aus dem Nichts die finanzielle Stütze wegbricht? Christoph Wirtz, Schlagzeuger der fünfköpfigen Band The High Fives, gibt Einblicke in das Bandleben.

Von Laurencia Mattew

„Es kommen momentan verständlicherweise keine neuen Aufträge rein. Anfangs hat niemand damit gerechnet, dass sich die ganze Situation so entwickelt. Alles ging dann ganz schnell und Termine wurden abgesagt, gerade für die Hochzeitssaison im Mai. Da fällt einem als Künstler ganz schnell eine wichtige finanzielle Quelle weg“, berichtet Wirtz. Momentan haben viele freie Künstler mit der Krise zu kämpfen. Kunstschaffende verdienen deutschlandweit durchschnittlich zwischen 1.000 und 3.000 Euro im Monat. Diese Einnahmen werden hauptsächlich durch Live-Auftritte und Veranstaltungen generiert.

Die Bundesregierung reagiert

Für diese Situation hat die Bundesregierung im März das Corona-Soforthilfeprogramm ins Leben gerufen. Soloselbstständige, Angehörige der Freien Berufe und kleine Unternehmen sollen so in der Lage sein, übergangsweise ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern und Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Hierfür haben Bund und Länder insgesamt 50 Milliarden Euro aus Bundesmitteln in Aussicht gestellt. Kleinen Unternehmen und Soloselbständigen werden für den Zeitraum von drei Monaten bis zu 9.000 Euro gewährt.

Das Problem mit der Corona-Soforthilfe

Als freischaffende Künstler fallen auch die fünf Musiker in die Kategorie der Berechtigten, jedoch sind nicht alle schnell genug gewesen: „Die Soforthilfe ist in erster Linie ein super Programm. Jedoch war der Geldtopf vom Bund relativ schnell ausgeschöpft, weshalb wir nicht alle versorgt worden sind. Das Geld war nach circa zwei Wochen weg.“ Und Wirtz sieht noch eine Problematik: „Was uns verunsichert, ist die Aussage „nur für Geschäftszwecke“. Was soll man machen, wenn am Ende des Geldes zu viel Monat übrig bleibt? Es hätte einfach klarer sein müssen.“

Tatsächlich ist das die größte Hürde. Die Bundesregierung hat sehr früh damit begonnen, Möglichkeiten zu schaffen, um Förderungen zu beantragen. Dabei wurde jedoch übersehen, dass die meisten Künstler gar keinen Anspruch haben. Die Soforthilfe ist darauf ausgelegt, Betriebsmittel zu unterstützen und Liquiditätsengpässe einzudämmen. Diese sind bei Musikern und Kunstschaffenden oftmals nur bedingt oder gar nicht vorhanden. Dem Korrekturbedarf sind inzwischen einige Bundesländer entgegengekommen, trotzdem ist dies nach wie vor noch ein Thema, welches nicht in allen Bundesländern Gehör gefunden hat.

Sind Ausfallhonorare die bessere Lösung?

„Viele Künstlerinnen und Künstler hatten durch Honorare ein regelmäßiges Einkommen, das jetzt weggebrochen ist. Dadurch hat sich eine teilweise existenzielle Notlage ergeben. Mir ist es ein Herzensanliegen, dass wir hier helfen und dafür alle Möglichkeiten ausschöpfen. Jetzt ist es wichtig, dass alle Bundesländer ähnlich verfahren und es den von ihnen geförderten Kulturinstitutionen ebenfalls ermöglichen, Ausfallhonorare zu zahlen“, so die Kulturstaatsministerin Monika Grütter zur jetzigen Situation. Der Haken ist, dass auch diese Regelung nicht von allen ausgeschöpft werden kann. Sie gilt nur für Künstlerinnen und Künstler, die für Kulturinstitutionen arbeiten, die von der Bundesregierung gefördert werden.

Digitaler Einzelunterricht als Rettung in der Not

Aufgrund der schwankenden monatlichen Einnahmen gaben viele Musiker auch schon vor der Krise Privatunterricht am Instrument. Gerade jetzt kommt das zusätzliche finanzielle Standbein Berufsmusikern zugute. Drummer Christoph unterrichtet selbst seit zehn Jahren die Schlagzeugkunst in seiner Schlagzeugschule. Seine Bandkollegen Kate, Denis, Alex und Niclas geben ebenfalls Gesangs-, Gitarren- und Klavierunterricht: „Vor der Pandemie sind wir nicht nur live aufgetreten, sondern haben auch Einzelunterricht für Kinder gegeben. Das führen wir jetzt über Skype weiter. Dementsprechend hatten wir keinen finanziellen Ausfall von hundert Prozent, sondern von ungefähr siebzig. Wie sehen diese Zeit aber auch als wertvolle Chance für die Kinder und produzieren deshalb Lernvideos, die ihnen frei zur Verfügung stehen.“ Die Idee digital zu unterrichten, wurde inzwischen auch an Musikschulen umgesetzt. Der neue Weg ist auch hier die Umstellung in Richtung digitale Kanäle.

Corona bringt neue Möglichkeiten

Ob virtuelle Museemsrundgänge, Theater-Livestreams oder Pyjamavorlesungen, die Krise hat Kulturschaffende dazu gezwungen, neue Wege zu finden, um ihre Kunst an die Frau und an den Mann zu bringen. „Viele Musikerkollegen haben jetzt angefangen, sich mehr mit Livestreaming-Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Ein Kollege hat sogar sein Bachelor-Abschlusskonzert im Livestream gemacht. Ich denke aber, dass keiner das nach der Krise ernsthaft weitermacht, das ist einfach kein Ersatz. Trotzdem bleibt das als Erkenntnis im Hinterkopf“, merkt Wirtz an und fügt hinzu: „Ich glaube, dass wir alle gelernt haben, uns für jede Situation zu wappnen. Gerade in künstlerischen Berufen kann eine unzureichende Absicherung verheerende Folgen haben. Die momentane Situation ist für uns alle nicht einfach, dennoch blicken wir positiv in die Zukunft. Wir hoffen, bald wieder in gewohnter Atmosphäre auftreten zu können und das zu tun, was wir lieben!“

Schlagzeuger Christoph Wirtz erzählt von den Erfahrungen der Band in Corona-Zeiten. Über Absagen, Umstellungen, Finanzen und wichtige Erkenntnisse.

Weiterführende Informationen:

https://lkjnds.de/hilfe-in-der-corona-pandemie.html

https://www.dov.org/oeffentliche_meldungen/aktualisiert-leitfaden-fuer-freischaffende-der-corona-krise

Erstlingswerk

Dieser Beitrag ist Bestandteil der Kooperation von radius/30 mit dem 2. Semester des Journalismus-Studiengangs der Hochschule Hannover unter Leitung von Prof. Stefan Heijnk, der freien Journalistin Sonja Steiner, Programmierer René Aye von Pyropixel und dem DJV Niedersachsen.