Training ohne Kontakt – aber mit Spaß

26. Juni 2020

Joggen hält nicht nur fit, es ist auch gesund für den Körper und die Seele. Bild: Tirachard Kumtanom

Fit bleiben in Zeiten der Corona-Pandemie

Sport gehört zum gesunden Lebensstil eines Menschen dazu. Laut einer Umfrage des Forsa-Institutes aus dem Jahr 2018 treiben 71 Prozent der Deutschen gerne Sport. Und Sport ist wichtig. Zum einen, um seinen eigenen Kreislauf und das Immunsystem zu stärken, aber auch, um sich fit zu halten und Risiken wie Übergewicht vorzubeugen.

Von Maximilian Wilsmann

„Sport zu treiben, kann dem Körper an sich nie schaden. Viel mehr kann es schnell ungesund werden, wenn die Bewegung fehlt“, sagt Jan Willem van Zuetphen. Er studiert Sportwissenschaften in Paderborn. „Sport hilft eben nicht nur dabei, die Muskeln zu stärken. Es stärkt auch den Stoffwechsel, Joggen beispielsweise fördert das Atemvolumen.“ Auch deshalb ist Sport für viele nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein Hobby und für manche sogar der Beruf.

Privates Training als Alternative

Was kann man tun, um sich fit zu halten, auch wenn Wettkämpfe aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen durch Corona in vielen Sportarten noch nicht wieder möglich sind? „Wichtig ist vor allem, dass man sich überhaupt bewegt und das nicht schleifen lässt. Da gibt es dann eben gezieltes Training für bestimmte Gruppen der Muskulatur oder Trainingsarten, wie das Joggen, die den ganzen Körper in Anspruch nehmen“, sagt van Zuetphen. Die „klassische“ Variante ist das einfache Joggen. Viele Hobbysportler und auch viele Profisportler nutzen das Lauftraining auch in normalen Zeiten als Ergänzung zum jeweiligen Training ihrer Disziplin. Und das ist kein Zufall, denn Joggen ist aufgrund von vielen Punkten eine sehr gute Trainingsform.

Der größte Pluspunkt: Jeder, der auch sonst körperlich dazu in der Lage ist, Sport zu treiben, kann joggen beziehungsweise laufen gehen. Besonderes Equipment wird dabei nicht benötigt, sondern nur eine Strecke, angenehme Laufkleidung und Schuhe, in denen man sich bequem bewegen kann. Für einen gelegentlichen Lauf sollte es also bei niemandem an der Ausrüstung scheitern. Dennoch sollte man, wenn man Gefallen am Laufen gefunden hat, zumindest in hochwertige Laufschuhe investieren, um den Fuß und den Körper nicht falsch zu belasten. Das bestätigt auch Jan Willem van Zuetphen: „Natürlich sollte man bequeme und geeignete Kleidung und geeignetes Schuhwerk tragen. Mit Fußballschuhen zu joggen, macht beispielsweise nicht so viel Sinn.“

Laufen ist gesund

Offensichtlich ist: Beim Laufen bewegt man sich und das auch noch an der frischen Luft. Aber das Training steigert nicht nur die Kondition und die Ausdauer, zwei Aspekte, die vor allem für Sportler wichtig sind, die neben dem normalen Training joggen gehen. „Es trainiert auch das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem“, bestätigt Jan Willem van Zuetphen. Der Körper wird durch dieses nicht übermäßig anstrengende Training fit und gesund gehalten. Und auch den psychischen Aspekt sollte man auf keinen Fall außer Acht lassen. Joggen kann tatsächlich Teil einer Therapie für Burn-out- oder Depressionskranke sein. Und wer schonmal Laufen gegangen ist, weil an dem Tag einfach alles schiefgelaufen ist und man einfach nur eine halbe Stunde Ruhe braucht und seine Energie loswerden will, der kann bestätigen, dass man sich nach dem Laufen meistens tatsächlich besser und befreiter fühlt.

Trotzdem ist Vorsicht geboten

Auch wenn das Training die Gesundheit fördert, muss man trotzdem aufpassen, dass es nicht zum sogenannten „Übertraining“ kommt. „Da ist es dann so, dass die Muskeln und die Knochen im Vergleich zur Belastung zu wenige Pausen bekommen. Das kann von der Ermüdung bis hin zu langwierigen Verletzungen wie Reizungen oder Brüchen führen“, sagt van Zuetphen. Damit es so weit erst gar nicht kommt, sei vor allem die Prävention wichtig. „Wenn ich jetzt an fünf Tagen in der Woche ins Fitnessstudio gehe und an vier von fünf Tagen die Schultern trainiere, dann kann es sehr schnell zu so einer Situation kommen. Deswegen sind ausreichende Pausen und Abwechslung wichtig, um solchen Verletzungen vorzubeugen“, erklärt Jan Willem van Zuetphen.

Work-outs für zu Hause

Während Laufen vor allem die Ausdauer trainiert und den Körper gesund hält, stärkt das Krafttraining Nackenmuskulatur, Rücken, Arme und Bauch. Gerade jetzt kommen „Home-Work-outs“ in Mode. Hier gibt es verschiedene Angebote. Von bekannten Trainern aus der Fitnessbranche, die in einem Livestream als Coach ein Workout leiten, bei dem von zu Hause mittrainiert werden kann, bis hin zu Fitnessvideos, mit Übungen, die im eigenen Heim nachgemacht werden können. Ein Fitnessstudio, das seine Kunden derzeit über Fitnessvideos auf dem Laufenden hält, aber auch Menschen anspricht, die sonst nicht ins Gym gehen, ist das „AktivGym“ aus Lügde.

Alte Kunden halten, neue anwerben

16 Videos mit verschiedenen Work-outs sind mittlerweile auf dem YouTube-Kanal des Studios hochgeladen. Die Idee, Videos hochzuladen, kam, als das Studio im März geschlossen werden musste. „Wir fanden die Idee gut, wenn unsere Mitglieder auch zu Hause jemanden sehen, den sie kennen und mit dem sie normalerweise trainieren“, sagt Alina Stolle vom „AktivGym“-Team. Der Vorteil des Kanals: Nicht nur Menschen, die Mitglied im Fitnessstudio sind, haben Zugriff auf die Videos. So können auch andere Fitnessinteressierte die Work-outs nutzen. Zudem ist es auch eine Art der Werbung, denn Menschen aus dem Umfeld können so einen ersten Geschmack von den Trainern und Übungen bekommen, um sich dann im besten Fall für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu entscheiden.

Privates Training ist besser, als nicht zu trainieren

Trotz aller Vorteile, die privates Training bringt, gibt es eben auch Punkte, die dann doch nicht ohne professionelle Ausrüstung möglich sind. „Es beschränkt einen natürlich in den Möglichkeiten, dass man nicht weiß, was die Menschen zu Hause haben. Da kann man, wenn überhaupt, nur Equipment nehmen, wo man davon ausgeht, dass das jeder haben könnte“, sagt Alina Stolle.

Für Unerfahrene, die sich an das kontaktlose Training wagen wollen, gibt es hier ein Video, damit direkt gestartet werden kann.

Erstlingswerk

Dieser Beitrag ist Bestandteil der Kooperation von radius/30 mit dem 2. Semester des Journalismus-Studiengangs der Hochschule Hannover unter Leitung von Prof. Stefan Heijnk, der freien Journalistin Sonja Steiner, Programmierer René Aye von Pyropixel und dem DJV Niedersachsen.

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